»O sprich nicht mit so leichtem Muth über eine Gefahr, der Du noch keineswegs entgangen bist,« bat aber das Mädchen, »ich selber kann nichts für Deine Sicherheit thun, als Dich zu einem Andern führen und diesen bitten Dir zu helfen — er ist selber ein Weißer und ein Diener des Herrn, und wird gewiß Alles für Dich thun was in seinen Kräften steht — er ist aber doch auch nur ein Mensch, und vermag Dir keinen anderen, als eben nur menschlichen Schutz zu gewähren.«

»Ein Weißer? — und ein Diener des Herrn?« sagte aber René rasch und nachdenkend — »ein Missionair also?«

»Gewiß, ein Missionair,« bestätigte die Jungfrau — »er hat mich von frühester Jugend auferzogen und seine Sprache und Religion gelehrt — er ist ein stiller, friedlicher und guter Mann.«

René blieb nachdenkend eine kleine Weile stehn, und es ging ihm im Kopf herum was er Alles, vielleicht in seinem katholischen Vaterland noch übertrieben, über die protestantischen Missionaire dieser Inseln gehört und gelesen, bei denen er eigentlich schon aus zwei Gründen keine freundliche Aufnahme erwarten durfte, erstlich als entlaufener Matrose und dann als Katholik; er war aber nicht der Mann sich vor der Zeit vielleicht unnöthige Sorgen zu machen, that er’s doch nicht wenn er selbst Ursache dazu hatte.

»Eh bien!« rief er fröhlich und entschlossen — »sei es wohin es wolle, wohin Du mich führst Du holdes Kind, geh ich gern, und wäre es in den Tod. Hier kann ich doch nicht bleiben,« setzte er lächelnd hinzu als er einen halb komischen halb verlegnen Blick umherwarf — »der Bequemlichkeiten sind nicht besonders viel, und vor Tag stöberte mich doch am Ende der alte Bursche von Dollmetscher wieder auf — also vorwärts, vorwärts Du liebes Mädchen — aber welchen Namen hast Du? wie kann ich Dich nennen?«

»Meine Landsleute nannten mich Sadie,« sagte das schöne Mädchen leise — »Sadie nach einem jener freundlichen Sterne dort oben, aber mein Pflegevater verwarf den Namen als heidnisch, und ich heiße jetzt Prudentia — nur die Insulaner können das noch nicht gut aussprechen und nennen mich lieber mit dem alten Namen.«

»Oh so laß mich Dich auch Sadie nennen, Du holdes Kind,« bat da René — »bist Du mir nicht auch ein freundlicher Stern geworden, der mich hier aus meiner Trübsal hinausführen soll? — und wie gern folg ich ihm — Prudentia, lieber Gott, der Name mag für des würdigen Mannes Mutter oder Gattin recht gut klingen, aber Deinen Namen hinein verwandeln, Sadie, heißt die Saiten einer Harfe zerreißen und Bindfaden darüberspannen — nein Sadie, leuchte mir voran, und jener Stern soll nicht genauer seine Bahn halten, als ich der Deinen folge.«

Das junge Mädchen die wohl den alten liebgewonnenen Namen auch lieber hörte als das fremde, selbst für ihre Zunge schwere Wort, erwiederte nichts weiter, und wie eine Gemse von dem ziemlich steilen Hang hinunterkletternd, und den Arm vermeidend den René nach ihr ausstreckte sie dabei zu unterstützen, glitt sie auf den Boden nieder, daß René kaum ihren Schritten zu folgen vermochte.

Fußnoten:

[C] Verächtlicher Name für einen alten Mann.