Es ließ sich kaum ein lieblicheres Plätzchen auf der weiten Gotteswelt denken als das, wohin das schöne Mädchen jetzt den jungen Mann führte. — Drei niedere Palmen, in ihren Kronen fast gleich, überhingen die kleine Stelle, und zwar so, daß die schattigen Blätter, weit nach vorn überneigend, die Sonne auffingen, wenn sie nur wenige Stunden hoch am Himmel stand — der Boden war mit einem feinen wohlriechenden Fern bedeckt, der duftende anei, wie reich mit Blüthen geschmückte Büsche bildeten die Rückwand, und mehre mit Blüthen überstreute und zu gleicher Zeit von goldenen Früchten fast niedergebeugte Orangenbüsche die Seitenwände, während ein breiter niederer Sitz, mit feingeflochtenen Matten doppelt und dreifach weich überlegt, mit Bambus gezogener Rücklehne, die weite freie Aussicht auf das blaue Meer und die schäumende Brandung der Riffe gewährte.

René stand lange in schweigender Bewunderung der reizenden Scene, mit dem schönen Mädchen, das ihn lächelnd betrachtete, an seiner Seite.

»Nicht wahr, das ist ein lieblicher Platz hier auf der kleinen freundlichen Insel?« — sagte sie endlich leise, als ob sie fürchte das was sein Herz in diesem Augenblick fühlte, zu unterbrechen.

»O wunder — wunderschön!« rief René begeistert ihre Hand ergreifend — »ein Paradies, dem selbst die Engel nicht fehlen.«

»Pfui Fremder« — sagte aber das Mädchen ernst und fast traurig — »Du mußt nicht lästern, während der liebe Gott das Licht seiner Sonne auf Dich niedergießt und die Wunder seiner Welt um Dich her ausgebreitet hat — und Du thust mir auch weh damit, und ich habe Dir doch Nichts zu leide gethan.«

»Sadie« — bat der junge Mann, tief ergriffen von der einfachen, rührenden Natürlichkeit des holden Kindes.

»Laß nur gut sein,« sagte sie aber wieder etwas freundlicher, »und setze Dich hierher — nein, nicht so nah zu mir — da in die Ecke — so, und nun sollst Du mir eine Frage beantworten.«

Sie sah ihm dabei treuherzig in die Augen, und wenn sie auch nicht duldete daß er den Arm um sie legte, ließ sie doch ihre Hand in der seinen ruhen.

»Und was willst Du fragen Du holdes Lieb?« —

»Zuerst heiß ich Prudentia, höchstens Sadie — aber nicht anders — aber ja — wie heißt Du denn eigentlich?«