Auf des alten Mannes Ruf betrat das Mädchen schüchtern und mit niedergeschlagenen Blicken das Gemach — sie schaute nicht auf, aber sie fühlte das René nicht mehr im Zimmer sei, und ihr Herz klopfte fast hörbar in der Brust. — Ihr Vater hatte ihn abgewiesen und der schöne Traum ihres Glücks war in Nacht und Thränen zerflossen.

»Prudentia,« sagte der alte Mann, und zog das zitternde Mädchen sanft zu sich — »ich habe den jungen Fremden fortgeschickt von hier — er hat Dich jetzt wohl lieb, aber wenn er eine Zeit lang von seiner Heimath entfernt ist, sehnt er sich wieder nach ihr zurück, und läßt mein armes Mädchen hier allein, und dann wärst Du wohl recht recht unglücklich geworden und elend. Jetzt ist der Eindruck den er auf Dein Herz gemacht, noch flüchtig, noch leicht wieder zu verwischen — Du wirst einen oder zwei Tage weinen, ihn nachher vergessen, und nicht wahr mein Kind, ich habe darin recht und gut gehandelt — ich wollte ja nur Dein Wohl.«

»Ich will Alles thun was Du mir sagst mein Vater,« flüsterte das Mädchen, dicht an seine Brust geschmiegt, so leise, daß er kaum ihre Worte verstehen konnte.

»Das ist mein gutes Kind,« sagte der Greis, aber die Stimme zitterte ihm; er fühlte nur zu gut was in dem Herzen des armen Mädchens vorging, und wie die Liebe für den Fremden schon viel zu tief Wurzel geschlagen habe, je wieder, ohne das Gefäß selber zu zerbrechen, herausgerissen zu werden. Er mußte sich aber selber einen Augenblick sammeln ehe er fortfahren konnte, und mit lebhafter Stimme wie ermuthigend setzte er hinzu:

»Und, nicht wahr mein Kind — dann wirst Du auch wieder glücklich und froh sein, wie bisher? — wirst wieder lachen und singen und nicht das Köpfchen so trübe hängen lassen.«

»Ich will mir rechte rechte Mühe geben lieber Vater,« flüsterte das Mädchen und barg ihr Haupt fester an dem Herzen des alten Mannes.

»Und willst Du auch den Fremden vergessen meine Tochter? — willst Du mir das recht fest und aufrichtig versprechen, mein braves Mädchen?« frug sie jetzt leise der Greis.

Das aber war zu viel für das arme gequälte Herz — einen Augenblick schien es, als ob sie sich von seiner Brust emporheben wolle, ihm in die Augen zu schauen — aber sie sank wieder zurück und klagte nur leise:

»Ach das weiß ich nicht — das weiß ich wahrhaftig nicht, lieber, lieber Vater« — damit war aber auch ihre Kraft gebrochen, und laut und heftig schluchzend, als ob ihr das Herz vergehen wolle in unendlichem Weh, hing sie in seinen Armen.

Und sie schluchzte nicht allein, denn aus der Ecke des Zimmers vor tönte es noch weit lauter und heftiger, und der kleine Mitonare saß da auf einem der niedern Bambusschemel, ganz allein und vergessen und weinte, in Thränen förmlich zerfließend, wie ein kleines Kind.