Tati, denn der Häuptling war es, schaute rasch und finster auf bei dem Gruß, und seine Züge heiterten sich nicht auf, als er den bunten Schmuck und Tant erkannte, mit dem sich der Freund behangen.

»Du siehst aus als ob Du zum Tanze gingst mit den Areoïs[P], Paofai,« sagte er ernst, ohne den Gruß zu erwiedern, »ein Richter des Landes sollte sich das Schicksal desselben zu Herzen nehmen, in so schwerer Zeit!«

»Das Schicksal?« lachte Paofai, die Locken schüttelnd, daß die Blüthen auf seine Schultern niederfielen, »das Schicksal liegt in der Hand jedes Einzelnen für sich selbst, und die ihre Nacken dem Joch gutwillig neigen, dürfen nachher nicht klagen wenn es sie drückt. Wer, beim Oro, heißt die fröhlichen Kinder unserer schönen Inseln sich den Fremden beugen und die Knie wund reiben vor einem Gott, der uns bis jetzt nur Arbeit und Krankheiten, nur Haß und Feindschaft geschickt hat aus fernem Land? — Ich für mein Theil bin es müde die helle Schattirung einer Haut, und Kenntnisse die dem Träger hier, wo er sie nicht gebrauchen kann, nur zur Last sind, höher geschätzt zu sehn als das, was unsere Väter ehrten. — Gleisnerische Worte — Oros Zorn über sie, daß sie zu Gift würden in dem Mund ihrer Träger.«

»Und wer ist Schuld als wir selber, daß wir’s so lange zu tragen haben?« rief Tati sich hoch und stolz emporrichtend, »ruht nicht der Fluch unserer Götter auf diesem Lande, seit jene knechtischen Pomare’s den Scepter führen, ja liegt nicht selbst die junge Königin in der Gewalt dieser schleichenden Priester, die sich nur immer die Diener des Herrn nennen, und dabei den Fuß selber auf die Nacken der Arii Rahi’s[Q] dieses Landes zu setzen wagen?«

»Und weißt Du daß sie das Volk wieder zusammenrufen wollen zu neuem Unheil?« frug Paofai lauernd.

»Sie wagen es nicht,« sagte Tati verächtlich mit dem Kopfe schüttelnd — »sie wagen es nicht, denn ihre Häuser stehn breit und bequem gleich vorn am Strand, und die eisernen Kugeln des nächsten Französischen Schiffes mähten sie nieder.«

»Aber sie hoffen auf Englands Schutz!« rief Paofai, »und Piritati[R] ist dorthin gegangen Hülfe zu holen für sich und die Seinen.«

»Bah, der Weg ist lang,« sagte Tati verächtlich, »und die Engländer haben einen großen Mund; sie sind kalt und ohne Herz wie ihr Gott, und so geizig, daß sie dem nicht einmal opfern lassen, sondern Cocosöl und Perlmutterschalen fortführen auf ihren Schiffen und die Schweine selber essen — Piritati wird kommen und Versprechungen bringen.«

»Aber sie warten nicht bis er kommt!« entgegnete Paofai — »der tolle Uebermuth der Priester, mit dem sie sich so lange eine wirkliche Macht vorgelogen haben, bis sie sie selber glauben, läßt sie jede Vorsicht vergessen, und um den Augenblick als Heilige und Halbgötter vor dem Volk zu stehn, wagen sie ihre Existenz.«

»Sie hätten recht — die Feranis werden uns auch nimmer den Segen bringen,« sagte Tati finster — »mich reut schon die Hand die ich dabei im Spiel gehabt, denn der gierige Wi—Wi scheint Lust an der Beute zu bekommen, nach der er schon zweimal die Krallen ausgestreckt. So lange noch ein Fremder auf dieser Insel lebt, blüht uns kein Friede und wir warfen uns selbst hinaus, als wir den Gleisnern einst den Aufenthalt gestatteten, und den Bambus schlugen zu ihren Hütten — wir hätten ihr Grab graben sollen.«