Paraita lachte.

»Es ist ein öffentliches Geheimniß, und das Volk in Papetee spricht von nichts Anderem — sie wollen unseren Vertrag verwerfen und das Protectorat Frankreichs von sich weisen.«

»Das Französische Schiff im Hafen wird’s nicht leiden,« rief Tati.

»Es liegt ein stärkeres daneben s’ihm zu wehren,« sagte achselzuckend Paraita.

»Und was spricht Utami?« frug Tati, dessen Hand ergreifend, »auf welcher Seite siehst Du den Segen unseres Landes?«

»Auf keiner,« entgegnete kopfschüttelnd der greise Richter, »auf keiner von diesen Beiden. — Ich hatte gehofft durch einen solchen Schritt, der gewissermaßen nur zum Schein unsere Rechte beschränkte und mehr ein Freundschaftsbündniß war mit einer stärkeren Macht, jenen ehrgeizigen Priestern ein Ziel zu stecken, aber die Feranis schauen mit gierigem Auge auf dies Land, und wer weiß ob wir nachher bei dem Tausch gewönnen. Jedenfalls liegt das noch Alles in der Zukunft Schooß, und ich habe keine Lust einen Arm aufzuheben für Franke oder Missionair — laß sie sich unter einander schlagen.«

»Und Du gehst?«

»Gewiß — sie sollen nicht sagen können daß Utami ihren Ruf gefürchtet habe.«

»Gefürchtet,« wiederholte Paofai verächtlich und spannte wie im Spiel den Bogen von dessen Sehne der Pfeil schwirrend abschnellte, und etwa vierzig Schritt davon entfernt den schlanken Stamm einer Papaya durchbohrte, in deren Holz er zitternd stecken blieb — »gefürchtet,« wiederholte er noch einmal, den Bogen auf die Schulter werfend — »aber es führt uns nicht zum Ziel dieses Kinderspiel — dem Volk wird wieder Sand in die Augen gestreut und so lange gesungen und gebetet, bis es ermüdet auseinandergeht, und Alles bleibt beim Alten. Da doch noch lieber dem Franzosen unterthan, dessen Sitte und Denkungsart besser zu uns paßt, als den schleichenden Frömmlern.«

»Unterthan? — keinem!« rief da Tati trotzig, der indeß mit verschränkten Armen und in tiefem Brüten dem Gespräch der Freunde gelauscht — »aber wie dann, wenn wir den Augenblick benutzten, wo die Bewohner Tahitis das eine Joch abgeschüttelt und auch das andere von uns würfen? — Was sagst Du, Utami, wenn wir die Fremden stürzten mit dem einen Schlag und, wie die Missionaire jene fremden Priester, auf das Schiff packten das sie gebracht und sie fortschickten, gleichviel wohin, so sie jetzt dem Engländer gäben, sie heimzuführen in ihre Heimath? Jetzt, jetzt noch ist es Zeit wieder ein Reich, ein glückliches Reich zu gründen in unserem Inselland — jetzt wo das Volk gesehen welchen Fluch ihnen die Fremden gebracht in jeder Art, wird es zu uns stehn mit Kraft und Gewalt, und dem einigen Volke können auch selbst die Feuerschlünde des Feindes nicht mehr fürchterlich sein.«