»Ruhe dort wenn Tati spricht!« donnerte ihm aber der Häuptling entgegen und sein Fuß stampfte den Boden; dann jedoch, nach kurzer Pause, in der das Volk athemlos seiner klangvollen Stimme lauschte, fuhr er fort — »Das ist gut — das Buch der Bücher ist ein fester Grund und Ihr versteht darauf zu bauen, aber laßt es nicht den Wall sein hinter den Ihr springt Euch zu verbergen. Als jene fremden Priester die in unser Land gekommen waren, durch Euch verbannt wurden von dieser Insel —«
»Das ist falsch,« unterbrach ihn der Missionair Rowe mit einem frommen Blick nach oben und tiefen Seufzer, »das ist falsch, denn Tahitis Gesetze sprachen allein ihr Urtheil.«
»Und wer gab die Gesetze, die sie damals trafen?« lachte mit bitterem Hohn und trotzigem Zornesblick der Häuptling — »Ihr! — Wer deutete sie der Königin gegenüber? Ihr! Wagt es und sagt die Königin ist frei — es ist nicht wahr; in Eueren Maschen liegt sie, in Euerem Netze liegt das fanatisirte Volk, das nur des Aufrufs bedarf und einen Bibelvers, sich blind dahin zu stürzen wohin Ihr es verlangt. Dreht Euere Augen zum Himmel — Gottes Tod — hier steh ich und der Herr da oben mag mich stürzen, wenn ich ein einzig falsches Wort nur spreche, ein einziges Wort, das mir nicht warm und wahr in der Seele glüht, und meinen Pulsen Fieberhitze giebt. — Die Gesetze? die Häuptlinge? nicht Ihr? — wagt es und sagt das Euerer Königin in’s Gesicht — sagt das Fanue, Terate und Avei — nicht Ihr? die Häuptlinge, das Volk führen es aus, Ihr aber, mit der Bibel in der Hand steht Ihr dahinter, und Euer Ruf ist es — heimlich oder laut — der sie treibt.«
»Nicht als Ankläger, Tati von Papara, sondern als Vorgerufener sollst Du Rede stehn Deiner Fürstin!« rief aber jetzt Raiata, der mit einem leisen Anflug von Schadenfreude des Häuptlings Zorn auf Leute hatte ausströmen sehn, die ihm bis dahin viel zu mächtig geschienen es auch nur für möglich zu halten; aber die Königin winkte und er mußte gehorchen.
»Ei wenn Pomare denn mit Willen blind ist,« rief der Häuptling trotzig, »mags drum sein; was kümmerts mich! So nimm denn Deine Antwort: Weil wir die Lösung unserer Wirren mit den Feranis denen überlassen wollten die sie herbeigeführt — den Missionairen; von denen aber im Stich gelassen, denn sie leugneten bei dem Fortschicken der Römischen Priester auch nur im mindesten betheiligt gewesen zu sein, und von dem Franken bedrängt, ja in ihm selber vielleicht einst eine Stütze sehend in schwererer Zeit gegen solche heimliche Feinde, schrieb ich meinen Namen unter das Papier — bist Du zufrieden nun?«
»Und Du Utami?«
»Tati hat den Grund genannt,« entgegnete der allgemein geliebte Richter, und einzelne Stimmen des Beifalls wurden schüchtern laut.
Und Paraita? und Hitoti?
»Utami und Tati hatten unterschrieben,« nahm hier der vorsichtige Paraita das Wort, »wir hielten’s nicht der Mühe werth da lang darüber nachzudenken; Utami denkt allein für Viele.«
»Und billigt Hitoti ebenfalls diesen Grund?« frug noch einmal der Sprecher.