»Friede mein Bruder!« fuhr aber Aonui freundlich und mit ruhiger Stimme fort — »Friede sei zwischen uns immerdar, aber meiner Meinung bleib ich treu; die Britische Flagge muß unseren Herzen die theuerste sein, denn Groß-Britannien sandte uns die Bibel, und damit, glaub’ ich, hab ich Alles wohl gesagt. — Die heilige Schrift ist unter uns, mehr brauchen wir nicht!«

»Nein, mehr brauchen wir nicht — wir haben unsere eigenen Gesetze und Lehrer und die Bibel — das genügt uns — fort mit der anderen Flagge!« fielen jetzt viele andere Stimmen ein, und »das sagt Terate, das sagt Avei — das sagt Nane ini!« rief es von drei verschiedenen Seiten in den Lärm.

Die Missionaire schwiegen, aber mit aufgehobenen Händen standen sie da und in Bruder Rowes Augen glänzte eine Thräne.

»Gut von Dir Nane ini! gut von Dir Avei und Terate. Ihr habt Eueren frommen christlichen Sinn bewährt!« rief aber Raiata und nickte da und dort hinüber; »Ihr seid Pomares Freunde, und der Sturm wird Euch nur fester in den Boden wurzeln. Jetzt aber spricht die Königin durch mich zu Dir, Tati, Häuptling und Richter von Papara, aber Vasall Pomares, der freien Königin von Tahiti und Imeo — und fragt Dich weshalb hast Du Hülfe gesucht bei den Feranis ohne Wissen Deiner Königin, ja ohne ihr zu künden was Du thatest?«

Tati wollte sprechen, und seine ganze Gestalt zitterte vor innerer Aufregung. Er war heute in einen weiten Zeugmantel gehüllt, der in malerischen Falten bis über seine Knie hinunterhing, in den Haaren aber trug er, wie zum Trotz der anderen Parthei, die alten Häuptlingsfedern stolz befestigt.

»Und Tati bleibt die Antwort schuldig?« frug höhnisch der Sprecher.

»Nein, nein, nein und abermals nein!« schrie aber jetzt der stolze Häuptling, dessen Zorn die Oberhand gewann — »nur nicht ich brauche zu antworten solcher Frage — dort die Männer an Deiner Seite, die schwarzen mit dem frommen Blick mögen Dir Rede stehn, wenn Du so neugierig bist.«

»Wir? — wer? — wir?« frugen die Missionaire allerdings erstaunt, und vielleicht auch bestürzt über den trotzigen Ton des einflußreichen und immer noch gefährlichen Mannes.

»Ihr — und noch einmal sag ich’s, Ihr!« rief aber, uneingeschüchtert der Häuptling, jetzt vortretend und den rechten nackten tättowirten Arm gegen sie ausstreckend. »Das unnatürliche Verhältniß,« fuhr er dann etwas ruhiger, aber immer noch in aufgeregter Stimmung fort, »das dieses Land in seinen Banden hält, trägt jetzt die Schuld unseres Zwiespaltes, und wird, Gott sei es geklagt, noch später sogar blutige Früchte tragen. Euch verhüllt ein Mantel unter dem Ihr Euch versteckt oder vorkommt, wie es Euch paßt, und den Frieden Gottes auf den Lippen könntet Ihr mit Euerer Nichts vernichtenden Ruhe, einem Heiligen die Kriegskeule in die Hand pressen und den Wurfspeer. Ihr Prediger allein seid es gewesen, die unser Land regiert seit sie Pomare den Zweiten in sein kühles Grab gelegt. Ihr habt Gesetze aufgeschrieben und durch der Häuptlinge Mund wurden sie That; Ihr habt Strafen aufgeschrieben, und durch der Häuptlinge Hand wurden sie Wahrheit. Ihr waret es, die uns das Buch erklärten, das Ihr die heilige Schrift nennt — wir kannten es nicht, Gott hatte uns im Dunkel gelassen über sein Reich. — Ihr habt viel Gutes gethan, Ihr habt die Väter verhindert daß sie ihre Kinder erschlugen, Ihr habt manches Leben gerettet, denn Oros Priester sind von diesen Inseln verschwunden, und sie schlachten keine Opfer mehr; aber Ihr habt auch das Vertrauen des Volkes zu seinen Fürsten und Häuptlingen untergraben, und nennt die Bibel wenn man Euch fragt warum. Ihr habt unsere Gebräuche und Feste vernichtet, und die Bibel ist der Grund auf den Ihr fußt — Euere Gesetze und Strafen, fragt man Euch woher? aus der Bibel —«

»Aber Tati,« unterbrach ihn hier Aonui mit frommem Blick — »das ist ja —«