»Halt ein, Pomare!« rief aber in diesem Augenblick Mr. Mörenhout der Französische Consul, der der Verhandlung bis dahin schweigend aber mit krauser Stirn gelauscht — »das überschreitet Euere Macht. Der Vertrag, den Du sowohl, wie vier Deiner ersten Häuptlinge unterschrieben, giebt Dir nicht mehr das Recht hier zu entscheiden, was schon entschieden ist. Du bist die Königin dieser Inseln und wirst es bleiben, kannst es aber nur unter Frankreichs Schutz, das Dir ein besseres Bündniß bot als Deine Priester — gieb Dich nicht wieder ganz in ihre Macht, Du würdest es sicherlich zu spät bereuen.«

»Dir ziemt keine Drohung hier, Consul Mörenhout,« sagte aber Pomare sich von ihrem Sitz erhebend — »ich war freundlich gegen Dein Land gesinnt — es ist ein mächtiges Land und ich streckte dem Könige Deiner Insel die Hand entgegen, weil ich glaubte daß er mich sicher führen würde in vielem Wirrsal und Leid, das Gott über mich verhängt hat. Aber die Hand die mich führen sollte faßte mich so fest an, daß ich laut aufschrie — sie that mir weh und ich will allein gehn jetzt auf meiner Bahn.«

»Die Königin hat freie Wahl hier, zu thun und zu lassen was ihr gefällt,« nahm jetzt, als der Französische Consul erwiedern wollte, der Englische Capitain das Wort — »gezwungene Versprechen binden nicht, und ihrer eigenen Aussage nach ist sie dazu gezwungen, und zwar in einem Zustand gezwungen worden[Z], in dem die Frau schon sicher sein sollte vor jeder Belästigung von außen her. Die Verhandlung hier übrigens, steht unter meinem besonderen Schutz.«

»In dem Fall,« entgegnete der Französische Consul finster, »kann ich Nichts thun als gegen Alles feierlich protestiren, was die geschlossenen Verträge des Landes, das ich hier zu repräsentiren die Ehre habe, verletzt; thun Sie was Sie verantworten können.«

Eine kalte Verbeugung des Engländers antwortete ihm, und Raiata, über dessen Züge ein triumphirendes Lächeln flog, wiederholte seine Frage an Aonui, einen Häuptling aus Matavai-Bai.

Aonui war ein frommer Christ — den geschorenen Kopf entblößt, trug er seinen Strohhut in den gefalteten Händen, und hatte schon seit der ersten Ansprache, und ohne auch nur den Blick auf einen Moment den Rednern zuzuwenden, zum Himmel aufgeschaut, dessen klare Bläue nur hie und da durch einzelne leichte Wolken unterbrochen und kaum gestört wurde. Er trug weiße Hosen und eine weiße Jacke, über die ersteren aber nichtsdestoweniger den Pareu und ein buntes roth und gelb gestreiftes Hemd, um den Hals eine feste schwarze Binde und kleine steife Stehkragen dort hinein geknüpft — er hatte das bei seinen Lehrern gesehn und Freude daran gefunden sich ebenso zu tragen. Bei der zweiten Anrede neigte er leise den Kopf, dann aber rief er plötzlich mit lauter und freudiger Stimme:

»Jehovah sei Preis in der Höhe, sein die Ehre — aber Pomare ist unsere Königin ia ore na oe, und die Britische Flagge die natürlichste unseren Herzen, unserem Glauben.«

»Setz unseren Interessen hinzu Aonui!« unterbrach ihn da Tati, der mit Ungeduld die Zeit erwartet zu haben schien, selber reden zu dürfen — »setz unseren Interessen hinzu, aber laß das Herz fort. Die natürlichste unseren Herzen muß und wird die Landesflagge sein, die rothe Fahne mit dem weißen Stern, oder besser noch die weiße Kriegesfahne unserer Väter!«

»Aonui redet!« rief aber der Sprecher der Königin, seinen Stab erhebend, »Tati wird reden wenn die Königin befiehlt.«

»Tati wird« — rief der stolze Häuptling wild und trotzig emporzuckend, aber er bezwang sich selbst, sogar noch ehe Paraitas Hand warnend seine Schulter berührte, und die Arme fest auf der Brust gekreuzt, die Unterlippe zwischen die Zähne gebissen, daß das Blut daraus zurückwich, blieb er stehn und schaute finster vor sich nieder.