»Die Sache wird langweilig,« meinte Jim gähnend — »jetzt werden sie gleich an zu singen fangen, und wenn wir nicht hier die hübsche Nachbarschaft hätten —«

»Ruhe da! — Still! — gebt Frieden!« tönte es von mehren Seiten, und Aller Köpfe wandten sich den beiden Seeleuten zu, die dadurch die Aufmerksamkeit der Menge weit mehr auf sich gezogen sahen, als sie wohl vermuthet. Raiata begann aber in demselben Augenblick wieder, und jetzt zwar mit Vorlesen einer langen Rede Pomares in Tahitischer Sprache, in der er zuerst ihre Gefühle bei dem jetzigen politischen Stand der Dinge beschrieb, bei welchem sie sich selber als verbannt von ihrem Königreich betrachten müsse, und das Volk dann aufforderte diesem Zustand durch energisches, aber auch einiges Handeln ein Ende zu machen.

Dann wurde ein Brief des Englischen Admirals verlesen, der die Theilnahme der Königin von England für die Königin von Tahiti ausdrückte[Y] und auf das beifällige Murren der Versammlung wandte sich Raiata nun zu den verschiedenen Häuptlingen der nächsten Distrikte, ihre Meinung zu hören.

»Fanue sprich Du was Du denkst von der Gestaltung der Dinge im Reich. — Der Aelteste bist Du, Pomare frägt Dich, willst Du die Flagge beibehalten wie sie ist, oder Dich der neuen Herrschaft beugen?«

Fanue, ein Greis, tättowirt noch aus der Heidenzeit und mit einem Tapa-Mantel statt des bunten Kattuns, wie ihn fast alle Anderen trugen, stand, auf seinen Stab gestützt, und schien die Anrede, als etwas Selbstverständliches schon lange erwartet zu haben. Aber der Ton seiner Stimme klang rauh, rauh wie das Wort das er sprach, und das lange weiße Haar, das er nicht abgeschnitten hatte wie viele der »gläubigen Christen«, zurückwerfend aus der Stirn sagte er finster:

»Raiata hätte sich die Frage sparen können, er weiß wie Fanue denkt und gedacht hat seit sie Oros Bildniß auf den Inseln stürzten. Der Fremden sind hier zu viel gewesen von vorn herein, und es ist nicht wahrscheinlich daß ich ihnen jetzt das Wort reden sollte. Was der Ferani dabei für ein Recht hat uns regieren zu wollen? — dasselbe Recht das sich der Hai nimmt, wenn er in unsere Binnenriffe kommt — nur daß sich der Haifisch schämt, wenn er von Menschen dabei erwischt wird, und wieder zurückgeht — und der Ferani nicht. Aber es giebt viele Arten von Hai’s,« setzte er langsamer hinzu und sein Blick schweifte düster über alle Weiße — »eine vorsichtiger — feiger wie die andere. Fanue möchte einen Corallenblock nehmen und die Einfahrt verstopfen — nachher ließe sich leicht reine Bahn machen.«

»Aber Du stehst der Frage keine Rede Fanue,« sagte Raiata ungeduldig, »willst Du die Fahne beibehalten?«

»Ich wußte nicht daß das bunte Spielzeug bei Euch die Hauptsache ist,« sagte der Greis mürrisch — »wenn’s denn einmal eine sein muß, ist die so gut wie jede andere — weshalb wechseln? aber Otu wußte Nichts von solchem Tant.«

»Fanue stimmt also für Beibehaltung der Englischen Flagge,« fiel hier Mr. Dennis, Einer der Missionaire von Imeo in das Wort — »von solchem würdigen Mann war das nicht anders zu erwarten.«

»Und Du Aonui?« fuhr Raiata fort.