»Allerdings.«
»Das dacht ich mir – doch wir stehn hier so in der Thüre, wollen Sie nicht näher treten?«
»Ich danke Ihnen herzlich« sagte René, dem es ein unheimliches Gefühl war die Schwelle gerade bei fremden Menschen wieder zu überschreiten – »ich habe dann keine Zeit zu verlieren und erkundige mich lieber gleich nach den Bedingungen. Wissen Sie vielleicht zufällig wo ich den Eigenthümer finden kann?«
»Er ist ein Landsmann von ihnen und wenn Sie ihn nicht an Bord finden, können Sie ihn jedenfalls bei Viktor erfragen – er fährt aber nicht selber, sondern schickt seine Indianer. Sie gehn dazu die erste Querstraße hier hinauf in die sogenannte Broomroad, und dann rechts hinunter bis Sie –«
»Ich danke Ihnen, ich kenne den Platz.«
»Ah, desto besser« und mit freundlicher Verbeugung trennten sich die Männer.
Der frische Ostpassat blähte die Segel, das wackere kleine Schiff warf schäumend die schimmernden Wellen zurück, die hinter ihnen her tanzten und sprangen, und in wilder Lust ihre Häupter schüttelten, daß die klaren blitzenden Perlen davon absprühten, und der Himmel spannte sich klar und rein über das tiefblaue, wie mit einem durchsichtig goldenen Netz überzogene Meer.
Gerade vor dem Bug des Cutters, dem er mit schwellender Leinwand entgegen strebte, zeigte sich Land – über den Horizont auf stiegen die wunderlich gezackten blauen Kuppen einer kleinen Insel, und hoben sich höher und höher, jetzt die einzelnen Conturen der Schluchten und Berghänge klarer abzeichnend, jetzt den zackigen Baumwuchs selbst, auf dem oberen Kamm der Hügel deutlich unterscheidend, während rechts und links schon ein schmaler, dünner, blauer Streifen – das niedere Palmenland, das die Hügel umgab, ablief, und der Fluth gleichsam entquoll, als sich das scharfgebaute flüchtige Boot mehr und mehr dem Ufer näherte.
»Mein Atiu!« flüsterte René, als er vorn auf der Back des kleinen Fahrzeugs stand, wo die am Bug aufspritzenden Wogen unter seinen Füßen schäumten, »mein liebes Atiu – und dort der Hügelhang, der unvergessene mit seinen rauschenden flüsternden Palmen, den stillen Zeugen meines schönsten Glücks – da drüben das schmale schattige Thal mit den duftenden Blumen, dort oben die runde Kuppe, die das Ihiamoea trägt – dorthin das Joch, das sich hinüber spannt nach jenem Berg, über den mich Sadie führte in jener Nacht; und da unten – ha, dort kommt schon das helle friedliche Dach des Mitonares mit seinem Orangenhain und Bananengarten, seinem lauschigen Platz unter dem breitästigen Hibiscus und dem murmelnden Quell am Haus, über dem die Palme liegt. Es ist noch Alles so wie ich es verließ« setzte er tief aufseufzend hinzu, als das kleine schmale Fahrzeug der Einfahrt in die Riffe zu strebte, und wieder nach langen Jahren die stille so wohl bekannte Bai die waldigen Arme ausstreckte ihn zu begrüßen – »Alles, nur in der eigenen Brust ist es todt, und am Herzen nagt es und wühlt in Schmerz und Reue.«
Das Segel fiel – der kleine Cutter hatte den seichten Corallengrund erreicht, und drei von den vier Eingeborenen, die seine Besatzung bildeten, kamen nach vorn, den leichten Anker über Bord zu werfen. Wie er sank und den Grund faßte, schwang das leichte Fahrzeug vor der Fluth herum, und die kleinen Fluthwellen kräußten in dem sonst hier vollkommen stillen Wasser an seinem Ankertau und Bug.