»Der Wi Wi!« rief er, von seinem Stuhle aufspringend und dem Fremden fast wie unwillkürlich die Arme entgegenstreckend, dann aber, als ob er sich plötzlich besann, ließ er sie wieder sinken, fiel auf seinen Stuhl zurück und starrte, die Hände auf seinen Knieen gefaltet, mit erstaunten Blicken auf den einstigen Freund, der jetzt so ganz verändert, ein alter Mann geworden, vor ihm stand.

»Mitonare – Joranna – Joranna!« rief aber René, dicht vor ihm stehn bleibend und ihm die linke Hand zum Gruß entgegenstreckend – »hab ich mich so verändert, daß selbst Du, mein alter Freund, mich nicht mehr erkennst? dann muß es freilich arg sein, und ich darf es den Anderen nicht verdenken.«

Mitonare veränderte aber seine Stellung nicht, noch nahm er die gebotene Hand; nur in die schmerzdurchzuckten gefurchten Züge des Zurückgekehrten aufschauend sagte er leise, und fast mehr mit sich selber als zu dem Fremden redend.

»Das war die Strafe für begangene Sünde von dem da oben, wie er auch eben heißt – das war das einzige Gute was noch in dem falschen und leichtsinnigen Wi Wi stak, das Gewissen. Das bohrte und stach und mahnte und ließ nicht nach, ließ nicht Ruhe und trieb den Wi Wi wieder herüber über das große Wasser, die Stelle noch einmal zu sehn, wo er seinen ersten Meineid geschworen gegen den Allmächtigen.«

»Mitonare« flehte René, dem die Worte das Herz zerrissen.

Der kleine Mann schüttelte mit dem Kopf.

»Bah, bah« sagte er, »Mitonare steckt da drinn in den Kalebassen – da Frack, da Halstuch und Weste – da dicke Buch, und da Schuh und Hemd – Ahiahi ist ausgezogen, hat Bruder Ezra und Mitonare in den engen Nähten gelassen und der heißen schwarzen Tapa, und ist jetzt wieder ein Mann geworden, der sich nicht mehr fürchtet, und die Sache abwarten will wie es einmal wird. Ahiahi hat Zeit, und kommt dann mit Vater und Großvater zusammen – einerlei wo.«

»Ahiahi ist böse auf Dich weil Du die Mutter verlassen hast« sagte da Sadie, traurig zu dem Vater aufschauend, »er hat sie so lieb gehabt.«

Mitonare hatte wahrscheinlich recht ernst und böse bleiben wollen, die Töne aber schnitten ihm in's Herz, und des Mädchens Hand ergreifend, winkte er ihr und Aia fortzugehn. Aia sah daß er mit dem Wi Wi allein bleiben wollte, schlang deshalb ihren Arm um deren Schulter und zog sie leise von dem Vater fort in den Wald hinein, der die Hütte rings umgab.

»Da bist Du nun wieder auf Atiu, René« sagte der Mitonare endlich mit leiser, schmerzbewegter Stimme, das peinlich werdende Schweigen brechend – »da bist Du nun wieder, und wie ist Dir jetzt zu Muthe? – bös, bös – recht bös und weh – und wie weh erst hast Du allen denen gethan die Dich so lieb gehabt.«