»Gebe Gott daß ich dann einen günstigen Erfolg bringe« sagte rasch René – »gern will ich mich dem Auftrag unterziehn, und wie ich die Eingeborenen kenne, werden sie gern und willig zu ihren Hütten zurückkehren, dort in Frieden zu leben. Sie sind gut und friedlich von Natur, wie Ihnen ihr ganzes Betragen auch schon, selbst nach der Besitzergreifung, bewiesen haben muß, und wären sie nicht gar so arg gereizt, sie würden selbst jetzt nicht daran gedacht haben die Waffen aufzugreifen.«
»Die Waffen waren einmal da« sagte der Gouverneur finster »und mußten gebraucht werden. Es ist auch möglich daß das Einführen derselben eine kaufmännische Speculation gewesen, es sollte mir wenigstens lieb sein das zu glauben; fast aber fürchte ich, daß da auch noch eine andere Hand mit im Spiel gewesen, und war das wirklich, so dürfen wir auch nicht zu viel von einem freundlichen Wort hoffen. Nichtsdestoweniger will ich jedenfalls, mir selber später keine Vorwürfe machen zu können, die Sache versucht haben – ich weiß auch daß ich dadurch im Sinn meiner Regierung handele, die um Alles einen ausgedehnteren Kampf um diese Besitzung zu vermeiden wünscht. Sind Sie also im Stande ein derartiges Uebereinkommen, einen Vertrag oder wie Sie es nennen wollen in Wirklichkeit zu ermöglichen, so rechnen Sie dabei ganz auf meine Unterstützung sowohl, wie wärmste Dankbarkeit.«
»Und wann wünschen Sie daß ich da aufbrechen soll?« frug René.
»Sobald Sie wollen; am Besten gleich morgen früh, denn jeder neue Tag führt dem Feind auch neue Hülfstruppen über die Berge zu, und macht ihn immer nur noch starrköpfiger auf der einmal eingeschlagenen Bahn beharren. Jetzt haben wir auch noch eine Anzahl Kriegsschiffe in der Bai, unter deren Kanonen sich ein Friedensabschluß weit anders ausnimmt, als wenn wir nur hier auf die geringe Zahl unserer Landtruppen, und vielleicht überall vom Feind umgeben, in die Stadt eingeschlossen sind. Sobald Sie zurückkehren statten Sie mir gleich Bericht ab. Gedenken Sie allein zu gehn, oder soll ich Ihnen eine Flagge und Bedeckung mitgeben?«
»Ich glaube ich gehe besser ohne das Alles« sagte René, »die französische Flagge ist in diesem Augenblick nicht beliebt genug eine Empfehlung zu sein, denn die Erinnerung an die erlittene, und jetzt erst eigentlich begriffene Demüthigung liegt noch zu frisch in ihrem Gedächtniß. Allein hab' ich weniger zu fürchten, da mich Manche von ihnen kennen, ja mit mir befreundet sind.«
»Wie Sie denken« erwiederte Mr. Bruat sich die Lippe beißend, »und dann noch eins. – Sind Sie einmal oben, können Sie vielleicht auch etwas über den Schuft Jim O'Flannagan erfahren; Monsieur Bertrand, der sich eben so warm für Sie verwandt, und, wenn ich nicht irre ein Jugendfreund von Ihnen ist, hat mit diesem Burschen ein ganz besonderes Capitel abzumachen, und will ihn gestern über die Stirn gehauen haben, so daß er sogar leicht an seiner Wunde zu erkennen wäre. Außerdem habe ich einen nicht unbedeutenden Preis auf seinen Fang gesetzt; vielleicht sind Sie im Stand, in den Bergen etwas Näheres über ihn zu hören.«
»Ich spreche Bertrand jedenfalls noch heute Abend« erwiederte René, »auch hat er mir schon selber von dem Iren und seinem früheren Leben erzählt; er scheint eine Art von Land- und Seepirat gewesen zu sein, und soll sich hier besonders mit dem Schmuggeln verbotener Spirituosen befassen.«
»Ein gefährlicher Charakter, besonders in jetziger Zeit« sagte Mr. Bruat – »aber wer kommt da unten? was ist das für ein wunderlicher Kauz – kennen Sie den Burschen, Delavigne?«
René war rasch an's Fenster getreten, dem ausgestreckten Arme des Gouverneurs mit den Augen folgend, warf aber kaum einen Blick auf die Gestalt, als er auch lächelnd wieder zurück trat und sagte:
»Das ist Einer unserer originellsten Charaktere in Papetee, und trotzdem dies das erste Mal, daß ich ihn wirklich in der Stadt erblicke. Er ist Schuster und wohnt draußen in den Guiaven in einer gewöhnlichen Bambushütte mit einer alten irischen oder englischen Hexe, die sie »Mütterchen Tot« nennen, und ihre beiderseitige Hauptbeschäftigung soll sein – wenn das Gerücht nicht lügt – Spirituosen an die Eingeborenen auszuschenken.«