»Pomare vielleicht« sagte der Gouverneur, »aber nicht die sie ihr gaben – der Insulanerin gegenüber hätte es vielleicht kaum einer Gegendemonstration bedurft, das geb ich zu, aber die Missionaire wußten recht gut um was es sich handelte, und deren Auslegung wäre allein nach England und Frankreich hinüber berichtet worden.«

»Und die arme Pomare verlor darüber ihr Reich.«

Der Gouverneur zuckte mit den Achseln.

»In einer Hinsicht haben Sie übrigens recht« sagte er nach einer kleinen Pause, in der er einige Mal mit schnellen Schritten im Zimmer auf und ab gegangen war; »ich glaube selber daß ein Wort der Verständigung zu seiner Zeit weit mehr wirken würde, als die aufgepflanzten Kanonen und Bayonnette unserer Soldaten. Mir liegt besonders daran weiteres Blutvergießen zu vermeiden, auch sind wir hier gar nicht so stark, viele Siege wie der gestrige gewinnen zu können, der uns vier unserer besten Officiere und – und sehr viel gute Soldaten und Leute gekostet hat. Um so mehr leid thut es mir deshalb jetzt gerade Sie, lieber Delavigne zu verlieren, da eben Sie vor allen Anderen, in Ihrer Stellung zu den Eingeborenen, im Stande wären manches Gute zu wirken, manchen Conflict zu vermeiden. Wir würden Ihnen auch sehr dankbar sein, wenn Sie sich entschließen könnten uns, wenigstens einen kleinen Theil Ihrer Zeit zu widmen. Nicht allein daß sie dadurch den Insulanern selber einen ungemein großen Dienst erweisen, denn auf die Länge der Zeit können sie ja nun doch einmal unseren Waffen nicht Stand halten, während sie von jeder weiteren Hülfe durch unsere Schiffe abgeschnitten sind, Sie würden auch vielleicht manchem Landsmann dadurch das Leben erhalten.«

»Aber in welcher Art glauben Sie, daß ich das im Stande wäre?« frug René, zu ihm aufschauend.

»Sie wissen daß sich die Insulaner, Mahaena nicht für so sicher haltend, an anderen Orten wieder festgesetzt haben, ja noch in diesem Augenblick in Begriff sind zu verschanzen; die steilen Thäler, Schluchten könnte man sie eher nennen, dieses Landes, bieten den Eingeborenen dabei in der Vertheidigung unendliche Vortheile, und ihre Positionen werden immer nur mit großem Verlust an Menschenleben genommen werden können; aber sie werden doch genommen und die Erbitterung muß natürlich nach jeder geschlagenen Schlacht soviel höher steigen, der Riß soviel unheilbarer werden. Jetzt ist dabei vielleicht noch eine Aussöhnung möglich, Pomare mag zurückkehren und unter dem französischen Protectorat nominell, wenigstens den Eingeborenen gegenüber, fortregieren und wir ersparen eine Masse gutes Blut der einen wie anderen Parthei.«

»Die Missionaire werden aber nie in einen Frieden willigen« sagte René, »der die Gewalt ganz in die Hände ihrer Feinde giebt, und sie förmlich aus dem Land verjagt.«

»Es denkt ja aber gar Niemand daran das zu thun« rief der Gouverneur, »als eben ihre eigene starre Unduldsamkeit, die nun einmal keine andere Religion neben sich dulden will und mag. Nur gleiche Berechtigung verlangen wir für unsere Religion, wozu wir ein Recht hätten, selbst wenn es uns unsere Kanonen hier nicht sicherten, und wenn sie von der Vortrefflichkeit ihres Glaubens so vollkommen überzeugt sind, wie sie vorgeben, weshalb fürchten sie denn unter gleichen Verhältnissen mit ihm in die Schranken zu treten?«

»Und glauben Sie, Herr Gouverneur, daß ich im Stande wäre bei einem derartigen Versuch etwas Gutes zu wirken?« frug René – »darf ich den Insulanern wirklich die Versicherungen Ihrer friedlichen Gesinnung bringen und daß Pomare nach Tahiti zurückkehren mag, zwischen ihnen zu leben – ihnen ihre Königin, wie daß ferner keinem in der Ausübung seiner Religion die mindeste Schwierigkeit in den Weg gelegt werden soll?«

»Das Alles, auf mein Ehrenwort,« erwiederte der Gouverneur – »noch mehr – es soll Alles vergessen und vergeben sein zwischen beiden Theilen, was bis jetzt geschehn – den einen Burschen natürlich ausgenommen, der noch alte Rechnung hat – es liegt mir ja nicht daran die Insulaner zu unterwerfen und sie zur Anerkennung unserer Macht zu zwingen – zum Henker nein, wir wollen friedlich und freundlich zwischen ihnen leben, und nicht immer der Gefahr neuer Ausbrüche und Revolutionen ausgesetzt sein. Es ist auch wahrhaftig nicht einmal Ehre mit einem solchen Sieg zu gewinnen, wo uns die ganze civilisirte Welt nachher anschreit, wir hätten einen Haufen nackter Wilden mit hölzernen Speeren und Schwertern durch unsere Kanonen zusammengeschossen, während die Burschen in der That ganz verständig selber schießen können, und viel mehr Gewehre und Munition haben, wie ich eine Ahnung hatte.«