Monsieur Bruat nickte achselzuckend mit dem Kopf.

»Von einem Landsmann?« frug der junge Mann weiter.

»Wohl schwerlich – der Brief war englisch, die Hand aber jedenfalls verstellt und hie und da mit orthographischen – vielleicht übrigens absichtlichen Fehlern. Doch dem sei wie ihm wolle« brach er rasch ab, »die Sache ist vorbei und jeder Form genügt; außer dem haben wir auch seit einigen Tagen ziemlich gegründete Ursache einen Engländer selber der That in Verdacht zu halten, der schon eines anderen Verbrechens angeklagt steht, und gestern auch eben bei den Empörern gesehen ist. Vielleicht hat auch der den Brief geschrieben.«

»Das glaub' ich schwerlich« sagte René kopfschüttelnd, »den Dienst hat mir vielleicht ein guter Freund geleistet. Kennen Sie den Namen des verdächtigen Engländers?«

»Jim O'Flannagan.«

»Aha, ich kenne den Burschen; es ist ein Ire.«

»So? – möglich, nun von Tahiti fort kann er nicht, und da hoffe ich denn bald seine nähere Bekanntschaft zu machen. Aber wie wollen Sie selber jetzt nach Atiu hinüberkommen? haben Sie irgend eine Gelegenheit?«

»Im Augenblick nicht« entgegnete René, »doch wird sich die schon finden, die Missionscutter kreuzen ja immer dann und wann einmal herüber und hinüber.«

»Die Missionaire entwickeln überhaupt eine wunderbare Thätigkeit in dieser Zeit« entgegnete finster der Gouverneur – »und sie sollten sich doch Mr. Pritchards Beispiel zu Herzen nehmen. Ich werde sie scharf überwachen lassen, und dann unnachsichtlich das an ihnen zur Ausführung bringen, was sie selber, ohne sogar Veranlassung dazu gehabt zu haben, an unseren eigenen Priestern ausgeübt. Daß diese Herren immer das geistliche und weltliche Regiment mit einander verwechseln, und gar so gern aus dem einen in das andere hinüberpfuschen wollen. Doch dem sei wie ihm wolle, wir werden den Herren zu begegnen wissen, und sie haben es sich selber zuzuschreiben wenn sie nachher vielleicht etwas rauher behandelt werden, als ihrer Bequemlichkeit und ihrer Stellung zusagt.«

»Ich glaube daß hie und da ein freundliches Wort zwischen den Eingeborenen und der jetzigen Regierung manches Unglück vermeiden könnte« sagte René nachdenkend – »den Insulanern sind eine Menge falscher Begriffe beigebracht, und mit unsern Sitten und Gebräuchen nicht bekannt, erscheint ihnen theils Manches schroffer als es im Anfang gemeint war, theils haben wir selber Vieles was sie gethan zu streng und ernst genommen. Die aufgezogene Flagge vor dem Haus der Königin z. B. hatte meiner Meinung nach keineswegs die Bedeutung die ihr der Admiral gab; es muß zu Misverständnissen führen, wenn wir denselben Maßstab unserer Handlungen an den der Eingeborenen legen wollen. Ich bin fest überzeugt daß Pomare in der Krone nichts weiter wie ein glänzendes Spielzeug sah.«