»So ziemlich, aber doch wohl nicht hinreichend; aber ein anderer hier ansässiger und jetzt wieder in Französischen Diensten stehender Landsmann, Lefévre, der lange Jahre auf Tahiti lebt, kennt dagegen, wie ich glaube, jeden Baum um Papetee und in den nächsten Bergen. Vielleicht wäre es zeitsparend ihn ebenfalls rufen zu lassen, seine Meinung mit zu hören.«

Der Gouverneur klingelte, und die Ordonnanz wurde beschieden Herrn Lefévre zu ersuchen augenblicklich sich hier einzufinden. René stattete indessen mit leiser Stimme dem Gouverneur Bericht ab, über seine Abenteuer sowohl, als den Erfolg den ein Friedensvorschlag auf die Häuptlinge gehabt, und wie er in der That selber glaube, daß alle freundlichen Vorstellungen bei den Eingeborenen auf vollkommen unfruchtbaren Boden fallen würden. Danach erschien es also ebenfalls nur noch wünschenswerther die einflußreichsten Häuptlinge, da sie keinem gütlichen Vergleich lauschen wollten, womöglich gefangen zu nehmen, und ihnen den Frieden dann selber diktiren zu können.

Lefévre kam endlich, und als er das Zimmer betrat flog sein Blick rasch und wie scheu von Einem der Männer zum Andern, als ob er im Voraus zu errathen wünsche was man von ihm wolle. Die freundliche Anrede des Gouverneurs setzte ihn aber darüber bald außer Zweifel und nach den nöthigsten Vorbemerkungen begann der Examen des Gefangenen.

»Woher weißt Du, Gesell, überhaupt, daß die Häuptlinge an dem Tag und zu der Stunde eine Zusammenkunft halten wollen, was hattest Du mit ihnen zu thun?« frug der Gouverneur.

»Ein weißer Mann, der mit einem Gewehr umzugehen versteht, ist ihnen in jetziger Zeit soviel als ein Häuptling« erwiederte mürrisch der Ire, dem die vielen Zeugen nicht gerade angenehm zu sein schienen, »ich bin zu allen ihren Berathungen gezogen.«

»Hm, das klingt wahrscheinlich – aber weshalb wurde diese Berathung auf so viele Tage hinausgeschoben – weshalb findet sie gerade morgen statt?«

»Am Freitag faßte man den Beschluß« erwiederte Jim, »am Sonnabend, als an dem Sabbath, konnten und durften, ihren jetzigen Gesetzen nach, keine Boten abgeschickt werden. Heute sind die erst nach dem Süden der Insel hinübergegangen und vor heut Abend, ja vor heut Nacht, können die aufgeforderten Häuptlinge den Platz der Zusammenkunft nicht erreicht haben.«

»Und weshalb findet die Berathung nicht in dem Lager selber statt?«

»Sie wollen dem Einfluß der Missionaire entgehn« erwiederte der Ire – »ich selber habe den Antrag gestellt, weil ich die Schwarzröcke hasse und sie den Eingeborenen, wo sie nur ihre Nase in deren innere Angelegenheiten stecken, noch nichts wie Unheil gebracht. Utami, Teraitane und manche Andere, gehen ihnen ebenfalls aus dem Weg wo sie können, und Aonui wie Potowai sind nur ihre Posaunen.«

»Und wo ist der Sammelplatz?«