»Das Sicherste wird dann jedenfalls sein« entgegnete der Gouverneur, »ein starkes Detachement im Rücken aufzustellen, und dadurch selbst jeder möglichen Ueberraschung zuvorzukommen. Fragen Sie einmal den Burschen was er dazu sagt?«
Jim schüttelte aber dazu mit dem Kopf.
»Dann wirds Nichts« brummte er finster – »sobald hier nur zwanzig Soldaten auf einmal aus der Stadt marschiren, wissen sie's auch oben schon in den Bergen und rüsten sich auf einen Angriff; kleine Patrouillen sind aber bis jetzt täglich ausgezogen und selten belästigt worden, weil eben die Eingeborenen keinen Angriffskrieg führen wollen. Diese auch allein dürfen hoffen einen wirklichen Ueberfall auszuführen, eine größere Abtheilung Militair nie.«
»Und wer bürgt uns für die Sicherheit solcher schwachen Patrouillen?« frug der Gouverneur.
»Bin ich nicht selber in Euerer Gewalt und geh ich nicht mit?« sagte Jim.
»Schlechte Guarantie das« meinte René kopfschüttelnd, »der Bursche hat nicht einmal mehr ein Leben zu riskiren und aufrichtig gesagt, möchte ich nicht einem einzigen Menschen an seine Versicherungen wagen; das Ganze scheint mir wenigstens, ein abenteuerliches Märchen, seinen Hals noch eine Zeitlang aus der Schlinge zu halten, oder gar in den Bergen in Sicherheit zu bringen; ich würde ungemein vorsichtig zu Werke gehen.«
Die Franzosen unterhielten sich untereinander natürlich in ihrer eigenen Sprache, und der Gefangene schaute dabei mistrauisch von Einem zum Anderen, in dem Ausdruck ihrer Züge vielleicht die unverstandenen Worte zu lesen.
Lefévre übrigens war für den Plan; mit jenem Theil des Berges genau bekannt, schien ihm ein solcher Ueberfall ziemlich leicht auszuführen, dann aber lag ihm vor allen Dingen daran als wirklicher Officier in die Armee eintreten zu dürfen, was ihm bis jetzt immer noch aus verschiedenen Ursachen verweigert worden, ihm aber dann, wenn er sich bei einer solchen Expedition auszeichnete, kaum entgehen konnte. Außerdem war, Jim's Aussage nach, der alte Häuptling Fanue ebenfalls gegenwärtig, den er noch von Tairabu her aus ganzem Herzen haßte. Hier bot sich ihm also nicht allein die Möglichkeit einer vortheilhafteren Stellung, nein auch zugleich die Aussicht sich an einem Feind zu rächen, und er war fest entschlossen die Gelegenheit nicht ungenützt entschlüpfen zu lassen.
Jim sollte übrigens heute Abend nichts Bestimmteres weiter über Annahme oder Nichtannahme seines Planes erfahren; auf einen Wink des Gouverneurs wurde er, als er all die nöthig scheinende Auskunft gegeben, wieder abgeführt, und Lefévre erklärte sich jetzt bereit die Führung einer Patrouille zu übernehmen, die, wie der Gefangene allerdings recht habe, nur schwach sein dürfe, wenn sie nicht die Aufmerksamkeit der wachsamen Eingeborenen erregen wolle, aber keineswegs möchte er sich auch ganz allein mit wenigen Mann in den Wald hinein wagen, wo es doch immer ungewiß wäre ob sie nicht auf eine stärkere Abtheilung der Feinde stoßen könnten. Deshalb sollten mehre kleine Trupps nach einander und nach verschiedenen Richtungen hin, wie eben zum Recognosciren, die Stadt verlassen, und sich nach jenem Thal hinüber ziehn. Die zuerst gefeuerten Schüsse mochten sie dann herbeirufen, denn nachdem geschossen war, blieb es doch unmöglich ihren Plan länger geheim zu halten und dann brauchten sie Hülfe, sich wieder zur Stadt zurück durchschlagen zu können.
Als er den Gouverneur damit einverstanden fand, beurlaubte er sich, die noch nöthigen Vorbereitungen zu treffen, wie sich auch seine, ihm passensten Leute selber zur Begleitung auszusuchen, und nur noch beschlossen wurde daß Jim, natürlich gut verwahrt und bewacht, den Trupp führen solle, dem nicht unmittelbar der Angriff galt, und der nur hinten die etwaige Flucht der Häuptlinge abzuschneiden hatte.