»Das Anerbieten ist freundlich genug« sagte Jim, »aber da weiß ich ein Besseres –« und ehe der Bootsmann, der das Tau noch fest in der Hand hielt, nur eine Ahnung davon hatte, warf sich der Gefangene, das ganze Gewicht seines Körpers in den Sprung legend, durch den Busch hindurch, den steilen Abhang, an dessen Rand er stand, hinunter. Er würde auch jedenfalls seinen Zweck und den Boden unten erreicht haben, wo er höchstens von den kaum sehr gefährlichen und ihm sicher gleichgültigen Kugeln auf kurze Zeit bedroht blieb, denn der Seemann, der einen Sprung dort hinunter für ganz unmöglich gehalten, stand keineswegs fest genug sich dagegen zu stemmen und wurde im Nu von dem Gewicht des schweren Mannes zu Boden gerissen; aber das Tau das er um die Hand trug hakte glücklicher Weise in eine der dort gerade vorragenden starren und zähen Guiavenwurzeln, und der Ire fand sich im nächsten Augenblick, an den Armen aufgehangen, schwebend an der Klippe.

»Hülfe – Hülfe!« gellte dabei, jetzt zum Aeußersten getrieben, sein wilder Schrei durch den Wald, und die dort gelagerten Eingeborenen sprangen, ihre Waffen aufgreifend, rasch in die Höh' und heran – »Hülfe! Hülfe!«

»Teufel verdammter!« schrie aber Adolphe, sein Pistol aus dem Gürtel reißend und an den Rand der Schlucht springend, während der Bootsmann, der durch das Gewicht des Gefangenen niedergeworfen war, das Tau aber immer noch fest um die linke Hand hielt, es mit der rechten jetzt ebenfalls zu erreichen suchte, dem fast ausgerenkten Arm Erleichterung zu verschaffen. Dieser sah aber kaum die Absicht seines Officiers als er, unbekümmert um sich selber ausrief:

»Nein, nein Monsieur – halt – hier Jean, hier Petit – faßt das hier – weiter vorn – so – haltet fest – sacrrrr, ob mir der Hallunke nicht bald den Arm mit der Wurzel herausgerissen hat, und nun herauf mit ihm, daß ich seinen Hals bekommen kann.«

»Dort stürmen die Eingeborenen schon herbei!« rief Adolphe.

»S'ist nun doch einmal einerlei« rief der Bootsmann trotzig, »ob sie uns hier oder funfzig Schritt weiter unten einholen, ja im Gegentheil, hier können wir ihnen erst eine Salve geben; aber ich gehe nicht eher vom Fleck bis ich den Schuft nicht gehangen habe.«

»Hülfe – Hülfe – Hülfe« gellte der Schrei des Gefangenen, der vielleicht kaum sechs Schritt von der Erde entfernt, seine Kräfte in wilder Verzweiflung anstrengte dem Tau zu entgehn, oder die oben Stehenden mit sich nieder zu reißen. War es ihm aber mit dem ersten Wurf nicht gelungen, so blieb es nachher für ihn ganz unmöglich, denn die beiden Matrosen hatten, unbekümmert um den rohen Feind und nur dem Befehl ihres Bootsmanns gehorchend, rasch die Gewehre nieder geworfen und das Tau gefaßt, an dem sie den sich mächtig aber umsonst dagegen Sträubenden mit einem lauten und trotzigen »Ahoyho – ahoy-y« emporzogen – es war eine neue fast fingerstarke Hanfleine und hätte zwei solche Burschen getragen.

»Top! – avast da!« rief der Bootsmann jetzt, als er den Kragen des Iren erreichen konnte, indem er ganz kaltblütig aus dem anderen Ende des Taues das er in der Hand hielt, eine Schlinge machte – »haltet einen Augenblick, und Einer von Euch schnüre ihm einmal wieder die Hände auf den Rücken – oh hol der Teufel die Kugel, kehr Dich nicht daran Jean, so –«

»Hülfe – Hülfe!« tobte der Gefangene indessen in Todesangst, der jetzt eine Ahnung von dem bekommen mochte, was seine Henker mit ihm beabsichtigten, »Hülfe – Hülfe!«

»Strample nur Bestie – wirst gleich fertig sein« brummte der Bootsmann zwischen den Zähnen durch, zwischen denen er jetzt sein Messer hielt.