»Pest und Tod!« zischte aber Adolphe zwischen den Zähnen durch, als er mit einem Blick die Gefahr übersehen hatte, in der sie sich befanden – »Hund verdammter, Du hast uns auf die falsche Fährte und absichtlich von dem Wege ab, hierher geführt. Ist das hier die Stelle eine kleine Zahl Indianer durch einen Hohlweg oder auf einem schmalen Damme abzuschneiden, wo eine ganze Armee rechts und links von uns durchpassiren könnte ohne daß wir etwas von ihr zu hören oder zu sehn bekämen?«

»Bst!« sagte Jim mit unzerstörbarem Gleichmuth aber das Gesicht jetzt von Todtenblässe, doch mit einem Ausdruck fester tödtlicher Entschlossenheit darin, überzogen – »bst Mounsier, nicht so laut, denn die Burschen da unten könnten uns hören und uns zu Gaste bitten, wogegen ich nun allerdings nicht das mindeste einzuwenden hätte, was für die angenehme Gesellschaft hier aber nichts weniger als wünschenswerth wäre.«

»Wo ist die Stelle zu der Du uns zu führen versprochen?« frug Adolphe rasch und finster, aber mit vorsichtig unterdrückter Stimme:

Jim lachte leise vor sich hin, und es lag etwas Teuflisches in dem Lächeln das Adolphe fast unwillkürlich nach dem Griff seiner Pistolen suchen machte; aber der Ire sagte jetzt, noch immer mit leiser, aber fester bestimmter und wie es schien zum Aeußersten entschlossener Stimme.

»Wenn Ihr nicht schon lange gemerkt habt, daß ich meinen Weg verfehlt, ist das nicht meine Schuld – laßt Euere Pistolen im Gürtel, Kamerad, mit denen könnt Ihr keinen Menschen schrecken der den Strick um den Hals trägt; aber hört mich jetzt an und entschließt Euch dann rasch, denn meine wie Euere Zeit ist kostbar. Mein gutes Glück hat uns in Rufs Nähe einer Schaar von Eingeborenen gebracht –«

»Dein gutes Glück, Schuft?« knirschte der Bootsmann mit den Zähnen, »wage es einen Laut auszustoßen und soll mich Gott strafen, wenn ich Dir nicht beide Hackensehnen durchschneide, oder Dich an den nächsten Ast hänge, ehe die Schufte da unten selbst in Schußnähe sein könnten.«

»Dazu hast Du Deinen eignen Hals zu lieb, Kamerad« lachte der Gefangene, »ich selber aber hätte nichts Besseres verdient, wenn ich eine so kostbare und nie im Leben wiederkehrende Gelegenheit jetzt unbenutzt vorübergehen ließe. Noch bin ich in Euerer Gewalt und Ihr könnt mich, ehe meine Beschützer herankommen, tödten, soll das aber Jemand fürchten, der jetzt die Wahl hat zwischen einem raschen Tod und dem Galgen? – bah, soviel für Euere Macht –« und er schnalzte mit dem Finger. »Doch Dienst gegen Dienst« fuhr er dann fort, als er sah daß der Bootsmann das Tau das ihn hielt nur rascher und entschlossener packte – »Ihr seht daß Ihr, wenn entdeckt, diesem hier vor uns lagernden Trupp nicht entgehen könnt, während ein einziger Schuß, hier abgefeuert, neue Feinde vielleicht noch von jeder anderen Seite herbeiruft, die Euch den Weg nach Papetee zurück mit leichter Mühe abschneiden und Euch ohne große Gefahr für sich selber, aus dem Dickicht heraus einzeln wegschießen könnten.«

»Und wenn sie mir die Glieder stückweis vom Leibe rissen« knirschte der Bootsmann zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch – »erst seh ich Dich hängen Bestie, und dann mögen sie machen mit mir was sie wollen.«

»Noch habt Ihr einen Ausweg« sagte Jim ohne sich im Mindesten aus seiner Fassung bringen zu lassen – »Dienst um Dienst; laßt mich frei, und ich verspreche Euch, daß ich hier still und regungslos liegen bleiben will, bis Ihr außer jeder Gefahr die Wälle von Papetee sicher und unbelästigt wieder gewonnen haben könnt.«

»Daß sie nachher in Papetee mit Fingern auf uns wiesen« zischte Adolphe mit fest zusammengezogenen Brauen – »thue Dein Schlimmstes Schuft, aber beim ewigen Gott, ehe ich Dich lebendig aus meinen Händen ließ, hing ich Dich selber an die nächste Guiave hier. Und nun zurück von da oben, wir haben ohnedies schon Zeit genug versäumt, und hältst Du Dich ruhig, will ich Dir versprechen mein Möglichstes in Papetee zu versuchen Deinen Hals frei zu bekommen; aber kein Wort weiter und jetzt marsch.«