Der Bootsmann, als das beste und einfachste Mittel ihm anzuzeigen daß er mit ihm zu reden wünsche, zupfte den Iren jetzt, durch ein leises Zucken der Hand, am Tau, und dieser drehte rasch den Kopf zurück.

»Halt!« kommandirte flüsternd der Seemann.

»Was giebts« frug jener eben so zurück.

»Hier mein Officier wünscht zu wissen wie weit wir noch etwa haben, damit er seine Leute danach rüsten kann.«

»Er soll ihnen sagen daß sie nicht einen solchen Heidenlärm machen« brummte dieser – »das ist alle Rüstung die sie jetzt brauchen; sonst noch was?«

»Und wie weit haben wir noch?«

»Weit genug den Platz nie zu erreichen, wenn wir jetzt gerade gehört würden, und nahe genug in kaum zehn Minuten vielleicht schon in Sicht des Feindes, oder doch in Rufes Nähe zu sein.«

Der Matrose nickte zufrieden und Jim setzte seinen Weg wieder fort, war aber noch nicht zehn Schritt höher geklettert, als er seinem Führer winkte in dem Laube noch vorsichtiger zu sein, und sich jetzt links gerade in das Dickicht hinein hielt. Der Bootsmann wollte ihn erst daran verhindern und in dem offenen Pfade selber halten, es war ihm aber fast, als ob er das Geräusch von Stimmen höre, und die ängstliche Vorsicht sehend, mit der der Ire hier selber weiter schritt, ließ er ihn gewähren.

Adolphe selber war mit dieser Art des Fortrückens am wenigsten einverstanden; der Dritte in der Reihe konnte er fast Nichts hören oder sehn, und wurden sie gerade an einer solchen buschigen Stelle von einem Feind überrascht, so waren sie, in der Verteidigung vereinzelt, der größten Gefahr ausgesetzt aufgerieben zu werden, und weit genug hatten sie sich in die Berge hineingewagt, die Begegnung eines Feindes wohl erwarten zu dürfen. Es ließ sich aber Nichts dagegen thun, und weit konnten sie von der bestimmten Stelle ebenfalls nicht mehr sein, so fügte er sich dann, Flüche leise in den Bart murmelnd, in das Unabwendbare, nur jetzt bemüht seine Leute, die jeden Augenblick fast mit den Fußspitzen in dürren Aesten hängen blieben, oder an Steinen, auf denen sie nicht festen Halt genug genommen, ausrutschten, in Ordnung und ruhig zu halten.

Da endlich erreichten sie eine scheinbar offene Stelle im Wald, wo die Sonne wenigstens licht und voll durch die sonst fast für sie undurchdringlichen Guiaven fiel, und der Seemann fand, daß sie sich einer steilen oder wenigstens sehr abschüssigen – er konnte das von da wo er stand noch nicht recht erkennen – Bergwand genähert hatten, von der aus sie jedenfalls einen Ueberblick in das vor ihnen liegende Thal bekommen mußten. Jim hatte sich dahinaus auch schon vollkommen orientirt, und den Bootsmann und Officier vorsichtig zu sich heranwinkend, zeigte er durch einen kleinen Busch, der sie nach unten zu verdeckte, in das Thal nieder, wo Beide zu ihrem, keineswegs freudigen Erstaunen, und auf einer Stelle wo sie Niemand erwartet hatten, einen Trupp von etwa zwanzig oder fünfundzwanzig bewaffneten Eingeborenen lagern fanden. Die ganze Entfernung von diesen betrug kaum zweihundert und funfzig Schritt, und das laute Knacken eines dürren Astes hätte fast dort gehört werden müssen – ein lautes Wort konnte sie verrathen.