Mit der gebrochenen Waffe des Geliebten grub sie dann ein Grab; sie stach die lockere Erde auf und warf sie, mühsam und beharrlich mit den Händen hinaus – Stunde nach Stunde, und ohne Klagelaut. Von duftigem Fern pflückte sie dann ein Lager, weich und reinlich, und breitete es aus in der schmalen Gruft, und ihre Thränen flossen heiß darauf, und wie die letzte Ruhestätte ihm, der sie so unsagbar elend gemacht, bereitet war, trug sie, die letzten Kräfte anspannend, allein die Leiche hinein in ihr einsam Bett, deckte das blutige entstellte Antlitz mit ihrem Schultertuch und breitete Blumen und Blüthen über den Entschlafenen.
Unten vom Strand aus donnerten die Feuerschlünde der Feranis, und der Schall brach sich dröhnend sein Echo aus den steilen Schluchten, aber sie hörte es nicht; an dem offenen Grab saß sie, in Schmerz versunken und dachte der schönen Zeit zurück, die sie mit dem Gerichteten verlebt – was er gefehlt, was er verbrochen – sein Tod hatte das Alles gesühnt; mit dem Blut war die Schuld fortgewaschen von seiner Seele und nur der Geliebte lag ihr noch da, der Hingeschiedene – der Vater ihrer Kinder, das Ein, das Alles des armen Weibes. Oh wie hatte sie ihn so glühend gehaßt als er sie verließ der eigenen Schwester wegen, wie hatte ihr Herz so heiß und wild nach Rache gedürstet, an dem Verräther – und jetzt? der Haß war hingeschmolzen wie der Brandung Welle am starren Riff, hoch drohend und Verderben sprühend in ihrem Anprall, und das Ziel erreicht – zerfließend wieder in klare ruhige Fluth mit tausend blitzenden Thränenperlen nur auf der glatten Fläche.
Arme, arme Aumama – und wie sie sich über das Grab hinüberbog sang sie mit leiser Stimme die Todtenweise ihres Stammes, das letzte Joranna dem Hingeschiedenen.
»Die Sonne blitzt auf Dich herab,
Und Du bist todt.
Sie scheint Dir in das offne Grab
Und Du bist todt.
Die Vögel singen rings im Laub –
– Du hörst sie nicht – Dein Ohr ist taub
Joranna, Lieb, Joranna.