Die erste, so ausgesandte Colonne traf, wie schon erzählt, auf die retirirenden Landsleute und zog sich mit diesen, nicht weiter als durch einzelne harmlose Schüsse behindert, auf Papetee zurück, die andere aber kam wenig über die nächste Umgebung der Stadt hinaus, denn ein dort im Hinterhalt liegender Schwarm von Eingeborenen, der jedenfalls schon von ihren Bewegungen vorher Kunde gehabt, griff sie in wilder ungebändigter Wuth an und zwang sie, von dem Terrain und seiner Ortskenntniß begünstigt, sich mit dem Verlust einzelner ihrer Leute, die sie nicht einmal im Stande waren mit fortzunehmen, auf die Stadt zurück zu ziehen.

Die kleine Garnison wurde natürlich durch diesen halben Angriff vollständig alarmirt. Die Wälle waren besetzt, die Kanonen geladen und gerichtet, und marschfertige Patrouillen zogen hin und wieder, die verschiedenen Punkte zu revidiren und Hülfe zu bringen wo sie Noth thun sollte.

In dem Caffeehaus des Franzosen Victor waren eine Anzahl Officiere versammelt, die von den verschiedenen Punkten eben Nachricht eingeholt und ihr frugales Mittagbrod mit einem, schon selten gewordenen Glase Claret würzen wollten. Auch René hatte sich hier eingefunden, saß aber still und allein, die Arme auf der Brust verschränkt, das kaum berührte Glas vor sich, und schien nur halb der lebendigen Beschreibung Adolphes zu lauschen, der seine Abenteuer an dem Tage, das Ende des Piraten und den von den Feinden so oft und hartnäckig bestrittenen Rückzug erzählte.

»Diable!« rief da Einer der älteren Officiere, »die Burschen machen bei Gott Ernst, und wir mögen nur immer unseren Wein austrinken, denn wer weiß ob uns nicht in der nächsten Minute die Lärmtrompete schon wieder an unsern Posten ruft. Die Soldaten werden knapp, aber mit den Officieren gehts noch knapper, und wenn sie noch ein paar von uns wegputzen, können wir uns nur Unterofficiere zu dem Geschäft abrichten.«

»Wißt Ihr schon daß die Jeanne d'Arc in diesen Tagen, wenigstens in nächster Zeit, ebenfalls segeln wird?« frug Bertrand.

»Das fehlt auch noch« riefen Andere, »dann doch sicher nicht, bis sie uns andere Schiffe zum Ersatz geschickt; wenn man nicht hier sich wenigstens den Rücken frei wüßte, möchte der Teufel einer ganzen Insel voll gut bewaffneter Indianer die Stirn bieten. Springen sie uns einmal über die Wälle und wir haben kein Schiff hier das ein paar Kugeln herüber werfen und uns im schlimmsten Fall an Bord nehmen kann, so sind wir alle zusammen verloren.«

»Wein her, Victor, Wein! aber rasch – es wird uns nicht mehr viel Zeit bleiben der Ruhe zu pflegen« rief ein junger Artillerie-Officier, der eben das Zimmer betrat, seine Mütze auf den Tisch und sich selber in einen Stuhl warf, »Tod und Teufel, ich glaube die Burschen machen Ernst.«

»Was giebt's Luçon?« frugen fünf, sechs Stimmen auf einmal – »neue Nachrichten? – ist Lefévre zurück?«

»Nichts zu hören von ihm und zu sehen, möchte nicht in seiner Haut stecken« rief der Neugekommene, sich ein Wasserglas rasch voll Wein schenkend, daß es über und auf den Tisch spritzte – »aber einen Gefangenen haben sie eben eingebracht, der hier in Papetee herum spionirte und von Rüstungen spricht, die an Point Venus wie an der östlichen Seite von hier statt finden sollen. Wir selber haben jetzt Spione nach beiden Richtungen abgeschickt und sobald die zurückkommen und das Ausgesagte betätigen giebt's jedenfalls Arbeit.«

»Was fehlt Dir nur heute, René?« sagte Adolphe, der sich jetzt zu ihm gesetzt hatte und seine Hand ergriff – »Donnerwetter Kamerad reiß Dich heraus aus den Grillen und sei endlich einmal wieder ein Mann, denn seit ich Dir heute von Belards erzählt, kommst Du mir wahrhaftig vor wie ein liebesieches Mädchen. Warum hast Du überhaupt das Haus gemieden? – sie scheinen Dich dort lieb zu haben und es würde Dich zerstreuen.«