Aonui war der Wildeste zwischen ihnen.
»Brüder, der Tag der Vergeltung ist erschienen!« schrie er, auf einen Haufen dort aufgefahrenen und zum Ausarbeiten von Canoes bestimmten Holzes springend, von dem aus er die unter ihm Stehenden leicht übersehen konnte, »die Beretanis kommen — die uns die Bibel gebracht haben, bringen uns jetzt auch Kanonen unsere Bibel zu vertheidigen — die Beretanis sind gut — wir wollen Nichts weiter — wir haben die Bibel und die Feranis können gehen, wir halten sie nicht — wir wollen ihnen Freude wünschen — aber nicht hier, irgend wo anders. — Wir haben die Feranis lieb — sehr lieb — es sind auch unsere Brüder — aber nicht so Brüder wie die Beretanis; andere Art. Die Beretanis haben uns die Bibel gebracht, die Feranis wollen sie wieder nehmen. — Feranis haben viel Platz wo anders — wir wollen ihnen Freude wünschen.«
Das etwa war der Sinn der Rede, die der Häuptling, die einzelnen Sätze immer auf's Neue wiederholend, seinen Landsleuten vorschrie, denn der um ihn wogende Tumult dauerte indessen fort und er konnte ihn mit seiner Stimme nicht beschwichtigen, er mußte ihn selbst übertönen; aber den Sinn verstanden sie doch, den ungefähren Sinn des Ganzen wenigstens, und von Mund zu Mund lief der Ruf: »Fort mit den Feranis, fort mit der Flagge, wieder an Bord mit den Priestern die uns die neuen Götzen auf die Berge gestellt haben, den alten zum Trotz, und uns unseren Glauben nehmen wollen und unser Land und die Bibel. Wir haben die Bibel wir verlangen nicht mehr!«
»Bin nur neugierig« sagte Pompey, der Neger, zu einem zufällig neben ihm stehenden Seemann, unserm alten Bekannten, dem Iren Jim — »was sie heute wieder für Dummheiten anrichten werden, Mister — seht nur einmal wie die schwarz gekleideten Gentlemen da hinten so eifrig gegen einander die Hände und Arme werfen, und streiten — sie hacken Alle auf den Einen ein mit den weißen Haaren, der wird wohl der einzige Vernünftige unter ihnen sein.«
»Und wie so, mein Bursche?« frug Jim O'Flannagan der mit den Augen der Richtung gefolgt war, die ihm der Neger angab, und den Blick jetzt forschend auf den allerdings sehr heftig mit einander gesticulirenden Missionairen weilen ließ — »es geht ja Alles so hübsch und trefflich wie es nur gehen kann.«
»Hübsch und trefflich? — hm, ja, — Manchem gefällt's so,« sagte der Neger und betrachtete sich den Fremden etwas genauer, ohne daß Jim etwa darauf geachtet hätte — »aber hallo Mister,« setzte er plötzlich hinzu, »haben wir nicht einander schon einmal da drüben bei Mütterchen Tot getroffen?« Der Ire lachte.
»Ich bin überall zu finden wo es gute Gesellschaft giebt,« sagte er mit einem etwas zweideutigen Blick auf seinen schwarzen Gefährten, »aber Freund, habt Ihr eine Idee wo die Geschichte hier hinaus will? — wie mir scheint wollen die guten Leute alle Franzosen ohne weitere Säumniß aufpacken, und an Bord der Jeanne d'Arc schicken?«
»Toll genug wären sie dazu,« brummte der Schwarze, »und das hier wär' auch nicht der erste derartige dumme Streich, den sie machten; wenn's Jemand gut mit ihnen meinte, sollt' er's verhindern.«
»Wen geht's denn 'was an?« lachte der Ire, »dafür haben sie auch ihre Seelsorger ihnen den richtigen Weg zu zeigen — hallo, kennt Ihr die Beiden da, die scheinen's eilig zu haben.«
»Das sind die beiden ersten Häuptlinge der Insel, Tati und Utami,« sagte der Neger schnell, »wenn die ihren Weg hätten, wüßt' ich wen sie vor allen Dingen auf das erste beste Schiff packten und nach Leewärts schickten.«