»Naha-hio!« riefen da einige der Mädchen, die sich auf den Anruf umgedreht, erstaunt und untereinander aus — »O-fa-na-ga wieder hier? — und wo hat Dich Oro's Zorn so lange umhergetrieben?«

»O-fa-na-ga« spottete ihnen aber der Ire nach, »bei Jäsus, meine Herzchen, Ihr habt den Namen noch immer nicht aussprechen lernen und übersetzt meiner Mutter Sohn auf eine merkwürdige Weise ins Tahitische. Was würde ould father O'Flannagan sagen, wenn sie ihn so zu Tische gerufen hätten — ha, meine namataruas, Ihr beiden unzertrennlichen Sterne, seid Ihr auch hier? und wo ist ipo Anoënoë, mein schlankes Mädchen von Bola-Bola, die tollste in Eurer tollen Schaar?«

»Anoënoë ist fromm geworden« lachte eines der Mädchen, die er namataruas nach einem Zwillingsgestirn jener Zone genannt — »sie lacht nicht mehr und trägt keine Blumen mehr im Haar und hinter den Ohren.«

»Hahahaha« lachte der Ire, »Anoënoë fromm geworden das ist gut, das ist vortrefflich, das ist — hahahaha — das ist beim Teufel zum Todtschießen komisch!«

Der Bootsmann — eine schlanke, kräftige, ja selbst edle Gestalt, mit ächt französischen Zügen, krausem dunkelen Barte und dunkelen Augen, jeder Zoll ein Seemann, der englischen Sprache übrigens vollkommen mächtig, hatte den Begrüßungen des Fremden mit den Mädchen und Frauen des Platzes, die er alle kannte und bei Namen nannte, schweigend und etwas erstaunt mit zugesehen, aber weiter kein Wort hineingeredet und schien nur etwas ungeduldig und mit untergeschlagenen Armen das Ende dieser Erkennungsscene zu erwarten. Er trug, trotz dem warmen Wetter, seine blautuchene dicht mit kleinen blanken Knöpfen besetzte Jacke, mit weißen Strümpfen und sauber gewichsten Schuhen und schneereinen segeltuchenen selbstgemachten weiten Hosen, die nur dicht über den Hüften fest anschlossen und auflagen; das weiße Hemd hielt ein schwarzseidenes Halstuch mit einem Seemannsknoten locker zusammen, und der leichte feine Panama Strohhut saß ihm fest und trotzig mehr nach vorn in der Stirn, als ihn sonst Matrosen gewöhnlich zu tragen pflegen.

Endlich mochte ihm aber die Zeit doch zu lang währen und er unterbrach die weiteren freundschaftlichen Erkundigungen des Fremden mit einem nicht eben da einstimmenden:

»I say stranger! — Ihr scheint früher schon einmal auf Korallenboden geankert zu haben — Euerer Physionomie verdankt Ihr die Vertraulichkeit doch nicht.«

»Der Geschmack ist verschieden, Kamerad!« lachte der Ire dagegen, »und Einer liebt Bier, der Andere Milchsuppe; aber Ihr habt Recht, ich bin hier zu Hause, und wenn ich auch nicht gerade hier wohne, führt mich meine Straße oft genug vorbei — was Wunder da, daß ich Nachbars Töchter kenne.«

»Ei so laßt Euer In-ge-le-se-Schwatzen doch nun endlich einmal!« rief da eines der Mädchen, zwischen die beiden Männer springend und des Iren Arm ergreifend — »Her zu mir O-fa-na-ga — und dreh deine Taschen um, denn Du hast doch den Boden hier nicht wieder betreten, ohne deiner Maïre Schmuck und Ringe mitgebracht zu haben; wo ist der Ring von perú, den Du mir so lange versprochen?«

»Maïre!« rief der Ire erstaunt sie betrachtend — »das ist Maïre? was zum Wetter ist denn mit Dir vorgegangen Mädchen, ich kenne Dich ja gar nicht mehr, wo sind deine Locken?«