Weiter — aus den dunklen Schiffen heraus, deren düstere Rumpfe lange Schatten werfen, und das weiche Mondlicht um sich her einzusaugen scheinen, gleiten wir vor. Funken sprühend ordentlich in der elektrischen Fluth, schießen wir dahin, das leichte Ruder den scharfgebauten Kahn fast über die Welle hebend die ihn trägt. Da drüben liegt der Strand — weit und silbern dehnt sich der mondbeschienene Muschelkies und blitzt und funkelt, und die Woge quillt auf dagegen und saugt und breitet darüber hin, zurückweichend nur den funkelnden Schaum ihm lassend, der in Atome auseinanderfließt.
Erreicht haben wir jetzt das lange niedere, palmenbewachsene Land, den rechten Arm der Bai, die ihn schützend vorhält gegen den Passat, und kleine hochgebaute Gerüste laufen ein Stück hier in See hinaus, von dem sandigen Strand ab, Seebooten auch bei niederem Wasserstand die Anfahrt zu gestatten.
Aber was braucht das Canoe solcher Hülfe, das schattige Ufer zu erreichen? — risch hin, mehr über wie durch das Wasser schießt's auf der klaren Fluth, und das Ruder das es vorwärts treibt, hebt es und zwingt es, selbst über Coralle und Sandbank fort, dem weißen Muschelkies entgegen. Bambusstäbe sind hier überall dem Grund eingestoßen, ein Zeichen für Fischer und Boote von tieferem Wasser; mitten zwischen ihnen durch springt das Canoe, und wie die aufgebogene Spitze in vier Zoll Wasser den Sand berührt, hebt sich das schlanke Boot und sitzt fest. — Nur hinaus, ob uns das warme salzige Naß den Fuß auch netzt, am Cocosbasttau ziehen wir den Kahn hoch hinauf auf's trockene Land, daß ihn die rückkehrende Fluth nicht hebt und fortführt, und durch der Gärten schattiges Grün, durch die der Mondenstrahl nicht einmal zur Erde dringt, führe ich Dich einen Schleichweg hinauf zu heimlichem Platz.
Reich' mir die Hand hier, denn der Pfad ist schmal, und dort gleich hinter der Bananen letzte Reihe, denen der Brodfruchtbaum noch Schatten giebt, beginnt das Dickicht der Guiaven, und über dem Pfad reichen die niederen Büsche sich die Zweige traulich herüber und schlingen die Arme fest in einander, tiefer und tiefer niederdrückend in den Weg, bis des Menschen Hand, mit scharfem Stahl bewehrt, wieder eine neue Bahn abzwingt den zudringlichen. Weiter — halte Dich fest an mich und hebe den Fuß, denn alte niedergebrochene Cocosnüsse und Hülsen decken den Boden und — was Du zertratst, und was unter Deinem Fuße wich? — reife Guiaven sind's, die den Boden hier decken, kehre Dich nicht an sie, über und neben Dir wachsen mehr, und jetzt — siehst Du das Licht dort durch die Zweige blitzen? hörst Du die gellenden Töne keifender Menschenstimmen? — wir sind am Ziel und ich führe Dich jetzt ein bei Mütterchen Tot.
Fußnoten:
[H] Die Wallfischfänger, um Nachts nicht zu viel Fortgang mit ihren Schiffen zu machen, und Fischen vielleicht vorbeizulaufen, reefen meist Abends ihre Segel, und da die Leute den Tag über Thran auskochen und voll Fett sind, so machen sie auch Fettflecke in die Segel, auf denen sie zum Einbinden liegen.
Capitel 8.
Mütterchen Tot's Hotel.
Tief in den Guiaven versteckt, und etwa nur vier-oder fünfhundert Schritte von den äußersten Häusern von Papetee entfernt, lag eine der gewöhnlichen lang-ovalen niederen Bambushütten dieser Inseln, mit Pandanusblättern gedeckt, und wenig mehr anderem Hausgeräth, als ein paar eisernen Kesseln und einem Dutzend oder mehr niederer, halb ausgehöhlter Schemel, die den Eingeborenen über Tag zum Sitz, und über Nacht zum Kopfkissen dienen.