Und damit war das Gespräch über den Gegenstand für heute abgebrochen, aber die Sache wurde darum nicht anders, denn wieder vergingen Wochen, ohne daß weder von der geistlichen noch weltlichen Behörde ein Entscheid gekommen wäre. »Sie müssen warten,« lautete die jedesmalige Antwort, »eine solche Sache läßt sich eben nicht über's Knie brechen,« und dabei blieb's, einmal wie allemal.
Der arme Hans ging wirklich in Verzweiflung umher, und er glaubte oder bildete es sich auch wohl nur ein, daß Lieschen jetzt selber ungehalten über die Verzögerung würde und es ihn entgelten ließe. Es wollte ihm wenigstens so vorkommen, als ob sie lange nicht mehr so freundlich, so herzlich mit ihm sei, wie in früherer Zeit, wenn er sie drüben in Wetzlau aufsuchte, und welchen anderen Grund hätte sie dazu in der Welt haben können, als die verwünschte Heimathsangelegenheit? Er konnte sich nicht mehr helfen, er mußte Jemanden deshalb um Rath, um seine Meinung fragen, und Niemand schien ihm dazu passender als seine Pflegeschwester. Niemand war es auch wohl.
»Sei nicht thöricht, Hans,« sagte ihm diese aber freundlich, »Deine eigene üble Laune macht Dich Alles schwarz sehen; Du wirst drüben in Wetzlau gerade so mürrisch und verdrießlich ausgeschaut haben wie hier, und daß das arme Lieschen sich darüber nicht glücklich fühlen konnte, willst Du sie nun auch noch entgelten lassen. Ist das recht?«
»Und glaubst Du wirklich, Kathrine, daß mich Lieschen recht von Herzen lieb hat und nicht bös auf mich werden würde, wenn's auch noch länger dauert?«
»Ich glaub's gewiß, Hans,« sagte das junge Mädchen, aber mit recht leiser Stimme. »Es kann ja –« sie hielt plötzlich an, sah vor sich nieder und fuhr dann fort: »Bist Du denn schuld an der Verzögerung? Sie wird nur eben auch traurig sein, daß es so lange dauert, ehe sie – ihr Glück an Deiner Seite findet.«
»Was wolltest Du vorher sagen, Kathrine? Du meintest ›es kann ja –‹«
Katharine erröthete leicht, aber sie sagte: »Ich bringe das was ich sagen will, nicht immer so mit den rechten Worten heraus, aber gemeint ist's gut, Hans, das darfst Du mir glauben.«
»Ich glaub Dir's, Kathrine,« sagte Hans, drückte ihre Hand, während er ihr mit der Linken über die blonden Haare strich, und ging dann hinaus in den Stall, um nach seinen Pferden zu sehen.
Katharine setzte sich auf denselben Stuhl, auf dem Hans vorher gesessen hatte, stützte den Kopf in die Hand und schaute nach der untergehenden Sonne hinüber, die da drüben am Berghang die Kieferstämme mit ihrem rothen Gluthenschein übergoß und ihr blitzendes Licht in den Fenstern des Pfarrhauses wiederspiegelte.