»Na?« sagte Katharinens Platzbursche, den Fremden erstaunt ansehend, als dieser mit seiner Dame an den oberen Theil des Tisches trat, »blöde sind Sie gerade nicht. Ist das etwa der Stellvertreter für den Bräutigam, Jungfer Braut?«

Lieschen wurde feuerroth, ehe sich aber Secklaub zurückziehen konnte, stand Hans neben ihm und seinen Arm ergreifend, daß die blauen Flecke daran noch acht Tage sichtbar blieben, sagte er eben nicht höflich: »Will der Herr wohl so gut sein und die Hand davon lassen? Das ist meine Platzjungfer, und die hat Niemand anders zu Tisch zu führen, als ich selber!«

»Hans, fang' keinen Streit an,« bat Katharine leise flüsternd, indem sie seinen Arm ergriff. »Er hat es ja auch nicht so bös gemeint. Er weiß ja nicht was hier Sitte ist.«

»Sie entschuldigen,« sagte Secklaub, dem es nicht unangenehm war, daß ihn Hans wieder losließ, »ich wußte nicht, daß ich dabei einen Eingriff in Ihre Rechte beging, aber Fräulein Erlau –«

»Komm, Lieschen,« sagte Hans, vor den Fremden tretend und ihm den Rücken kehrend, während er seine Braut auf ihren Stuhl niederzog, »setz' Dich und mach' Dir's bequem. Und nun wollen wir einmal tüchtig einhauen, denn ich bin nicht schlecht hungrig geworden.« Den Stadtherrn beachtete er gar nicht mehr, und Herr von Secklaub zog sich, eben nicht erfreut von der Behandlung, an das andere Ende der Tafel zurück. Mit den Bauerburschen konnte er doch nicht gut Streit anfangen.

Um halb elf Uhr begann der Tanz von Neuem, und es wurden jetzt blaue Bänder ausgegeben. Vor Tische waren wieder rothe getragen worden. Katharinens Platzbursche hatte die Vertheilung derselben. Das ging auch rasch und ohne Schwierigkeit vor sich, und das junge Volk warf sich der Lust wieder mit solchem Eifer in die Arme, als ob das der erste Abend gewesen wäre und sie nicht schon zwei halbe Nächte durchtanzt hätten.

»Hallo, Freund,« begann Katharinens Tänzer, der mit seiner Sparbüchse in der Hand durch die Reihen schritt und jetzt damit, dicht vor Herrn von Secklaub, klapperte. »Ihr habt noch Euer Band von vor Tisch ein; bitt' um die fünf Groschen, hier ist ein anderes.«

»Bitte um Verzeihung,« sagte Secklaub, indem er in die Westentasche griff und sein blaues Band herausholte und vorzeigte, »ich habe es mir eben von Ihnen selbst eingelöst und trage nur das rothe, weil es mir besser gefällt.«

»So? na, das ist Geschmacksache,« sagte der Bursche, »aber wenn Sie hier mittanzen wollen, müssen Sie das blaue tragen, wie's meine Platzjungfer trägt, nicht dem Hans seine, verstehen Sie mich? oder ich komme wieder mit der Büchse,« und damit wandte er sich lachend ab, und Herr von Secklaub knüpfte das blaue Band zu dem rothen.

»Tanz' nicht mehr mit dem Herrn mit dem Schnurrbart!« flüsterte Katharine leise dem Lieschen zu.