»Holla,« lachte Becher, ein gemüthlicher Norddeutscher, während seine junge Frau vor dem Tumult zurückschrak und sich fester an seinen Arm hing, »das muß doch wahr sein, in dem Australien ist Alles verkehrt. Bei uns in Deutschland werfen sie einander immer erst zum Schluß hinaus, hier fangen sie aber gleich damit an.«

»Haben Sie keine Furcht, Madame Becher,« rief sie aber einer der jungen Burschen an, »wir halten hier Ordnung, darauf können Sie sich verlassen. Der Tanz soll nicht gestört werden – nur immer anständig.«

»Wir haben auch keine Furcht, Braunhofer,« lachte Becher gutmüthig, indem er dem Eingang mit seiner Frau zuschritt, »denn daß Ihr hier vortreffliche Polizei haltet, habt Ihr eben erst noch bewiesen – der thut keinen Schaden mehr – ah, Herr von Benner,« wandte er sich dann an einen jungen Mann, der ebenfalls in diesem Augenblick von der anderen Seite kam und das Hotel betreten wollte, »das ist Recht, daß Sie kommen, solche flotte Tänzer können wir brauchen.«

»Werde doch keinen Ball in dem langweiligen Nest versäumen,« lachte der junge Mann, indem er die beiden Gatten grüßte, – »Frack und Glacéhandschuh fallen freilich bei Unsereinem weg,« schmunzelte er, als sein Blick auf Herrn Bechers Hände fiel, die allerdings in weißen und tadellosen »Glacées« prangten, wie denn auch die junge Frau nicht ohne solche erschienen war.

»Bei Unsereinem, Herr von Benner?« frug Becher.

»Nun,« sagte der junge Mann mit einem bitterironischen und doch humoristischen Zug um die Lippen, »was für Ansprüche werden denn an einen Handlanger bei dem Maurerhandwerke gemacht? Ich muß ja der Gesellschaft noch dankbar sein, daß sie mich zuläßt.«

»Papperlapapp, mein lieber Freund,« rief aber Becher, dem der Spott in der Bemerkung vollkommen entging, gutmüthig aus, »hier in Australien haben wir die alten faulen Standesunterschiede abgeschüttelt, und kehren uns den Henker daran, was Jemand arbeitet, wenn er sich sein Brod nur auf ehrliche Weise verdient, denn das ist die Hauptsache.«

»Danke Ihnen,« sagte Benner mit demselben Lächeln, das aber diesmal der jungen Frau das Blut in die Wangen trieb, denn sie fühlte, was der junge Adelige damit meinte, wenn es ihr Mann auch mit der alten wohlwollenden Herzlichkeit hinnahm und nicht weiter beachtete.

»Bitte,« rief er abwehrend aus, »gar nichts zu danken. Sie stehen hier in Ihrem vollen Recht. Tanzen Sie nur flott und machen Sie sich besonders um einige ältliche Damen verdient, dann sollen Sie einmal sehen, wie willkommen Sie sind.« Und dem jungen adlichen Handlanger vergnügt zulächelnd, betrat er mit seiner Frau das Haus und stieg die Treppe hinauf.

Eduard von Benner, wie der junge Mann hieß, gehörte einem der ältesten und edelsten Geschlechter Deutschlands an; seine Verwandten bekleideten daheim die höchsten Ehrenstellen und gehörten zu den reichsten und vornehmsten Familien, ja gehören noch dazu, während er hier, als Handarbeiter in dem fremden Lande, mit saurem Schweiß sein Brod verdienen mußte. Wenn er sich aber auch in diese Nothwendigkeit gefügt, war ihm doch der alte trotzige Sinn geblieben, der ihn schon daheim aus dem Vaterland getrieben, und ein spöttisches Lächeln zuckte um seine fest zusammengepreßten Lippen, als der kleine vergnügte Mann an ihm vorüberschritt.