»Krämerseele,« murmelte er vor sich hin, während er ihm mit unterschlagenen Armen nachsah, »weil Du die dicken arbeitsharten Fäuste in Glacéhandschuhen herumträgst, und Dir das rothseidene Schnupftuch hinten aus einer Fracktasche heraussieht, protegirst Du den Baron – es wäre bei Gott zum Todtschießen, wenn man nicht eben darüber lachen müßte. – Aber hol der Teufel die Grillen,« setzte er mit zusammengebissenen Zähnen hinzu – »ich bin nun einmal in dies tolle Leben mitten hineingesprungen und will Euch beweisen, daß ich die Kraft habe es durchzuführen. Eduard von Benner, Sohn des Regierungs-Präsidenten, Neffe des Kammerherrn, Enkel des allmächtigen Ministers Sr. Majestät – bah, so viel für all den Narrenkram, den sie daheim zum Ekel treiben, – haben sie's denn anders haben wollen, haben sie mich nicht mit Gewalt der tausend Thaler wegen zum Aeußersten gezwungen? Jetzt mögen sie auch selber die Folgen tragen.«
»Nun, Benner, so finster?« lachte eine fröhliche Stimme und eine Hand legte sich auf des jungen Mannes Schulter. »Sie schneiden wahrhaftig ein Gesicht, das eher zu einem Trauermarsch, als zu dem eben da beginnenden lustigen Rutscher paßt.«
»Ah, Doctor,« nickte ihm der junge Mann zu, – »Sie noch hier? Ich glaubte, Sie wären nach Adelaide.«
»Morgen früh,« sagte der Doctor vergnügt, der aber auch nicht so aussah, als ob er einen Ball besuchen wolle, denn er trug Wasserstiefeln und einen kurzen braunen Rock – »Sie werden wohl schon davon gehört haben; meine Frau ist mir wieder einmal davon gelaufen, und ich will sehen, ob ich sie einfangen kann; aber den heutigen Abend möchte ich nicht versäumen.«
»Sie nehmen's kaltblütig.«
»Bah, was will man machen? – Verwünschte Noth, die man hier in Australien mit dem Frauenvolk hat. Ich habe in meinem Leben nicht so viel von weggelaufenen Frauen gehört, wie hier; es muß ordentlich in der trocknen Luft liegen. – Aber gehn wir nicht lieber hinauf? – Alles drängt schon der Musik zu –«
Er hatte Recht; während die Musik oben begann, kamen die Gäste in Masse von der Straße herein, und ein ganzer Trupp Bauermädel, die draußen, eine die Hand der anderen gefaßt, straßenbreit gegangen waren, drängten jetzt lachend und kichernd, ohne einander aber loszulassen, in die Hausflur, sich wie in einer Kette die Treppe hinaufziehend.
»Alle Wetter,« rief der junge Baron Benner, »da sind prächtige Mädels drunter. Wie ist's, Doctor, wollen wir's riskiren?«
»Verdammt wenig zu riskiren,« brummte der Doctor zurück, »aber zum Tanzen hab' ich keine Lust; unsere Skatpartie wird bald zusammenkommen, und dann bin ich für den Abend besetzt.«
»Mit Ihren langweiligen Karten,« lachte Benner, »da lob' ich mir den Tanz, denn bei dem kann man sich doch einmal tüchtig austoben – kommen Sie.«