Eduard war aufgesprungen und ging mit verschränkten Armen im Zimmer auf und ab.
»Und deshalb hätten die Damen mich gemieden?« murmelte er endlich bitter vor sich hin – »nur auf das Gerücht einer Mesalliance hin?«
»Mein lieber Eduard,« sagte Galaz, »erinnere Dich, was ich Dir schon früher über diesen Gegenstand gesagt habe. Du kennst unsere Verhältnisse und willst sie ignoriren – wozu? Hedwig hat Dich wirklich gern, und daß ihr diese Nachricht keine Freude machen konnte, ist doch wohl natürlich.«
»Und Du glaubst in der That, daß er durch Krowsky Alles erfahren hat?«
»Nicht allein das, sondern daß es auch schon in der ganzen Nachbarschaft bekannt ist. Kannst Du Dich wirklich nicht zu einem entscheidenden Schritt entschließen, so bleibt Dir nichts übrig, als wieder auf einige Zeit zu verreisen. Andere Interessen nehmen dann die Aufmerksamkeit der Leute in Anspruch und bis Du zurückkehrst, denkt man nicht mehr daran oder urtheilt milder darüber. Jedenfalls hat es den Reiz der Neuheit verloren. Du selber kommst auch vielleicht indessen auf andere Gedanken.«
Eduard sträubte sich gegen den Gedanken, dem Urtheil der Welt so gewissermaßen zu entfliehen, aber Alexandrine selber redete ihm zu, und er entschloß sich endlich, dem Rath zu folgen.
Er reiste ab und zwar zuerst wieder auf sein schlesisches Gut, dann nach Italien und Aegypten – aber er entfloh dem Wurme nicht, der in ihm nagte – seinem Gewissen, und wieder und wieder stand Henriettens Bild vor seinen Augen, sah er sein liebes herziges Kind, wie es am letzten Abend die Aermchen um seinen Nacken schlang. Und sollte er wieder zurück nach Australien? Er besaß jetzt Geld genug, um sich das Leben auch dort angenehm zu machen; seine kühnsten je gehegten Pläne waren noch weit übertroffen und er hätte zahlreiche Stationen anlegen und ein angesehener Mann in jenem Welttheil werden können.
Und sollte er jetzt fort, wo die »hochadlige Sippschaft« dann vielleicht höhnisch gesagt hätte, er sei der öffentlichen Meinung gewichen, sobald er gemerkt, daß sein Geheimniß verrathen worden? Nein, wahrlich nicht, jetzt durfte er Europa nicht verlassen, und erst mußte er ihnen beweisen, daß er ihre Meinung nicht achtete und sein Leben nie darnach regeln würde. Was er dann später that, sollte wenigstens nicht von dem Urtheil der Gesellschaft abhängig sein.
Er fühlte sich ruhiger, als er diesen Entschluß gefaßt, weil er sich einredete, er habe ihn seiner Charakterstärke zu verdanken – und doch war es nur seine Charakterschwäche, die so lange nach einer Ausrede suchte, um ihn nicht seine Pflicht thun zu lassen, bis er endlich eine leidlich glaubbare gefunden hatte. Dann war er zufrieden, er konnte wieder eine Weile in dem alten Gleis fortleben, ohne von seinem Gewissen außergewöhnlich belästigt zu werden – alles Spätere fand sich von selbst.
Aber die Zeit fliegt. Was Du thun willst und mußt, thue bald, denn nur zu rasch verstreicht die erbettelte Frist, und immer schwerer kommt es Dir dann an.