»Nun, eine Bescheinigung der Behörde, wo er geboren ist, daß er dort seine Heimath hat,« sagte der Alte.
»Aber wenn wir deshalb einen Brief nach Schlesien schicken sollen,« rief der Sohn, »so kann das vierzehn Tage dauern, bis der Schein hierher kommt. So lange mag ich doch nicht warten.«
»Nun, vierzehn Tage wohl nicht,« sagte der Vater, »aber ich will selber heute nach Schlesien schreiben. Unser Gerichtsverwalter in Kreuzberg wird mir schon die Freundschaft thun und das besorgen; ein Brief geht leicht in zwei Tagen hin, und wenn nichts dazwischen kommt, kann der Wisch in acht Tagen hier sein.«
»Aber noch volle acht Tage, Vater –«
»Mach' mir den Kopf nicht warm,« rief aber der Alte, seine Mütze rückend, »hast Du so lange warten können, wird's auf die acht Tage auch nicht ankommen – also dabei bleibt's.«
»Dabei bleibt's,« wenn der Alte das einmal sagte, so wußte der Hans recht gut, daß dann weiter kein Einwenden half. Die Sache war abgemacht, und ein Widerspruch hätte den wohl herzensguten, aber auch starrköpfigen Mann nur böse machen können, erreicht wäre aber nichts weiter worden.
Der Hans setzte sich wieder zu seinem Frühstück, denn seine Zeit war bald verflossen und er durfte nicht der Letzte draußen bei der Arbeit sein, schon der Knechte wegen. Er war aber auch gleich fertig, denn die Sache ging ihm im Kopf herum, daß er noch eine ganze Woche warten solle, bis das erste Aufgebot erfolgen könne, und nahm ihm den Appetit. Gerade war er aufgestanden und wollte eben wieder hinausgehen, als die Thür sich aufthat und seine Pflegeschwester Kathrine hereintrat. Sie hatte drüben in der Milchkammer die frisch gemolkene Milch eingegossen und nach Butter und Käse gesehen.
»Guten Morgen, Kathrin',« sagte Hans und streckte ihr die Hand entgegen, »haben uns ja seit gestern Morgen nicht einmal gesehen.«
»Guten Morgen, Hans,« sagte das junge Mädchen freundlich, auch ihm die Hand reichend, »ja, wenn man freilich so wichtige Geschäfte hat. Nun, ist Alles gut abgelaufen?«
»Alles, Kathrin', schön Dank für die Nachfrage,« sagte der Hans. »Die Eltern haben eingewilligt, und das Lieschen ist meine Braut. Hoffentlich haben wir in vier Wochen Hochzeit. Da müssen wir auch zusammen tanzen.«