»Der Gefahr, das Schlimmste zu erleben, was ein anständiger Mann, außer dem Verlust seiner Ehre, erleben kann – sich lächerlich zu machen.«
»Mr. Hamilton –«
»Bitte, lesen Sie hier die Depesche Ihres Herrn Vaters – seine Antwort auf meine Anfrage von heute Morgen. – So – und hier haben Sie die Nummern der aufgefundenen Banknoten – und hier endlich die genaue Beschreibung des Schmucks, von Lady Clives eigener, sehr zierlicher Hand. Zweifeln Sie jetzt noch daran, daß Sie es nicht mit einer Miss Jenny Benthouse, sondern mit der leichtfertigen Lucy Fallow zu thun hatten? – Pst – lieber Freund, die Sache ist abgemacht« – sagte aber der Agent, als er sah, wie bestürzt der junge Burton diesen nicht wegzuläugnenden Beweisen gegenüber stand. – »Nur noch einen Blick werfen Sie jetzt auf die junge Dame,« fuhr er dabei fort, während er zugleich die Thür aufstieß und nach der trotzig und wild dastehenden Gestalt des Mädchens zeigte. – »Glauben Sie, das jene Dame Ihnen bis London gefolgt wäre, und nicht vorher Mittel und Wege gefunden hätte, Ihnen unterwegs zu entschlüpfen? Uebrigens habe ich schon von Ems aus, so wie ich Korniks Geständniß erhielt, nach London an Lady Clive telegraphirt und sie gebeten, mir Jemanden zur Recognoscirung des jungen Frauenzimmers herzusenden. Der kann schon, wenn sie ihn rasch befördert hat, morgen Mittag eintreffen, und dann, nachdem jeder Vorsicht Genüge geleistet und die äußerste Rücksicht genommen ist, um nicht eine Unschuldige zu belästigen, werden Sie mir doch zugeben, Mr. Burton, daß ich meine Pflicht erfüllt habe.«
James Burton schwieg und sah ein Paar Secunden still vor sich nieder; aber sein besseres Gefühl gewann doch die Oberhand. Er sah ein, daß er sich von einer Betrügerin hatte täuschen lassen, und Hamilton die Hand reichend, sagte er herzlich:
»Ich danke Ihnen, Sir – ich werde Ihnen das nie vergessen.«
»Ein desto schlechteres Gedächtniß werde ich dann für unser letztes kleines Intermezzo haben,« lachte der Polizeiagent, die dargebotene Hand derb schüttelnd, »und nun, mein lieber Mr. Burton, reisen Sie, wenn Sie meinem Rath folgen wollen, so rasch Sie mögen, nach England zurück. Für die beiden Schuldigen werde ich schon Sorge tragen, und in sehr kurzer Zeit denke ich Ihnen nachzufolgen.«
Dem Commissär erklärte Hamilton bald den Zusammenhang der Verhaftung Mr. Burtons, den er dadurch nur hatte so lange aufhalten wollen, bis er die Beweise von der Schuld jener Person beischaffte – das war geschehen und er selber brachte jetzt die an dem Morgen von Burton zerrissene und von ihm wieder sorgfältig zusammengeklebte Vollmacht zum Vorschein, die als beste Legitimation für ihn dienen konnte.
Am nächsten Tag traf richtig ein Polizeibeamter, der Miss Lucy Fallow persönlich kannte, in Frankfurt ein, und Hamilton erhielt die Genugthuung, seinen ersten Verdacht völlig bestätigt zu finden. Gleich danach reiste James Burton allein ab, während Hamilton noch einige Tage brauchte, bis er die Uebersendung der Wertpapiere und Banknoten durch die Nassauische Regierung nach England reguliren konnte. Dann erst folgte er mit seinen Gefangenen nach England, von denen er aber nur das Mädchen hinüberbrachte.
Kornik machte unterwegs einen verzweifelten Fluchtversuch und sprang, während der Zug im vollen Gange war, zwischen Lüttich und Namür aus dem Fenster des Waggons; aber er verletzte sich dabei so furchtbar, daß er starb, ehe man ihn auf die nächste Station transportiren konnte.