»Heßberger? Das ist die Schuhmachers Frau, gleich über uns. Meinst Du die?«

»Ganz recht. Ihr Mann arbeitet für uns und die Frau – aber Du darfst mich nicht auslachen, Schatz – die Frau soll ganz vortrefflich Karten schlagen können.«

Auguste lächelte. »Ich habe auch schon davon gehört,« nickte sie leise vor sich hin, »und der Mann hat dabei die komische Eigenschaft, daß er das für eine Kunst des Teufels hält, es der Frau aber doch nicht verbietet, weil sie Geld damit verdient. Um aber das Unheil abzuwenden, das dadurch auf ihn fallen könnte, singt er jedes Mal, so lange die Frau mit solch unheiliger Beschäftigung hantirt, im Nebenzimmer und mit lauter Stimme geistliche Lieder, die in der Nähe schauerlich klingen müssen, denn schon aus der oberen Etage herunter haben sie uns oft zur Verzweiflung getrieben. Bei Gewittern macht er es ebenso.«

»Das stimmt Alles,« lächelte Pauline, »und jetzt wollte ich Dir nur mittheilen, Schatz, daß ich gesonnen bin, Dich diesen musikalischen Ohrenschmaus ganz in der Nähe genießen zu lassen.«

»Mich,« frug Auguste erstaunt – »was hast Du denn vor?«

»Nichts weniger« lachte Pauline, »als mir von Frau Heßberger heute Abend die Karten legen zu lassen und in dem dunklen Buche des Schicksals zu lesen, während ihr Gatte durch ein paar passende oder unpassende Gesangbuchverse die bösen Geister fern hält.«

»Aber Pauline –«

»Und Du sollst mich begleiten,« rief diese muthwillig – »ich will mich nicht umsonst schon die ganze Woche darauf gefreut haben.«

Auguste schüttelte nachdenkend mit dem Kopf – es war ihr nicht ganz recht; die Aufforderung kam ihr aber auch so unerwartet und plötzlich, daß sie nicht gleich einen richtigen Grund wußte, sie abzulehnen.

»Man soll doch eigentlich nicht mit den Geheimnissen der Zukunft sein Spiel treiben« sagte sie endlich leise.