Lorenz übernahm die Besorgung und befand sich bald zu seiner innigen Beruhigung an der rechten Thür. Ein kleines weißes Schild mit dem Namen des Dr. Müller darauf zeigte ihm, daß er sein Ziel erreicht habe.

An dieser Vorsaalthür war keine Schelle. Er klopfte erst ein paar Mal, und da ihm Niemand antwortete, drückte er die Klinke nieder und trat ein. Auf dem Vorsaal sah er auch Niemanden und die Küche stand leer, in der nächsten Stube hörte er aber Stimmen, ging dort hinüber und klopfte an.

Wie sich die Thür öffnete glänzte ihm ein mit Blumen, Torten und Geschenken bedeckter Tisch entgegen und eine junge allerliebste kleine Frau frug ihn freundlich was er wünsche. Lorenz, der außerordentlich gutmüthigen Herzens war, dachte aber mit Zagen an die Verwirrung, die er parterre und im ersten Stock schon angerichtet hatte und wünschte, mit dem unbestimmten Bewußtsein, daß er der Träger irgend einer furchtbaren Nachricht wäre, diese der jungen hübschen Frau so vorsichtig als möglich beizubringen.

»Ach heren Se,« sagte er deshalb – »erschrecken Sie nich – es is Sie was vom Telegrafen.«

Die junge Frau sah ihn stier an, hob langsam den rechten Arm in die Höh und brach mit dem kaum hörbaren Schrei: »Er ist todt!« bewußtlos zusammen. Ihr Gatte hatte auch in der That kaum Zeit sie aufzufangen und vor einem vielleicht schlimmen Sturze zu bewahren.

»Um Gottes Willen, was ist?« frug er dabei den wie halb vom Schlag gerührten Depeschenträger »eine Telegraphische Depesche? – woher?«

»Nun, da Sie's doch schon einmal wissen,« sagte Lorenz, inniges Mitleid in den erschreckten Zügen – »es is Sie richtig vom Telegrafen.«

Der junge Mann trug sein armes, bewußtloses Frauchen auf das Sopha, wo er sie den Händen der jammernd herbeistürzenden Schwiegermutter übergab. Das Kind, das die Wärterin auf dem Arme trug, fing dabei an zu schreien, die Köchin war ebenfalls herein gekommen und stand schluchzend und händeringend an der Thür und mit zitternden Händen erbrach jetzt Dr. Müller die Depesche, deren Buchstaben ihm im Anfang vor den Augen flirrten und tanzten. Endlich las er leise vor sich hin:

Herzlichen Glückwunsch – heutigen Geburtstag – noch oft wiederkehren – Alle wohl – tausendmal grüßen – liebe Frau auch. Inniger Freundschaft.

Mehlig.