Erst am Schluß und wie ihm das Bewußtsein dämmerte um was es sich hier handele, knitterte er das Papier in der Hand zusammen, drehte einen Ball daraus und schleuderte diesen mit aller Gewalt auf den Boden.

»Ist er todt?« sagte Lorenz in theilnehmendem Mitgefühl.

»Gehen Sie zum Teufel,« rief Dr. Müller in leicht verzeihlichem Aerger – »Sie und Ihre telegraphische Depesche – solchen Glückwunsch möcht ich mir nächstes Jahr noch einmal zum Geburtstag wünschen – meine arme Frau kann den Tod davon haben.«

»Bitte tausendmal um Entschuldigung,« sagte Lorenz, Niemand bekümmerte sich aber mehr um ihn, denn die Uebrigen waren jetzt sämmtlich um die Ohnmächtige beschäftigt, so daß er die Gelegenheit für passend hielt, sich so rasch und unbemerkt als möglich zu entfernen. Durch das Haus mußte er aber noch einmal förmlich Spießruthen laufen.

»Ach Sie Unglücksvogel,« sagte das Kindermädchen, das ihm mit einer Vase frischen Wassers, um der Frau zu helfen, an der Thür begegnete.

»Das nächste Mal erkundigen Sie sich vorher nach dem Namen, Sie Dingsda« – sagte der Herr in dem schmutzigen Schlafrock, der an der Saalthür in der ersten Etage ganz besonders auf ihn gewartet haben mußte, als er dort rasch und geräuschlos vorbeigleiten wollte, und unten in der Hausflur saß die Mamsell noch immer bei den Scherben, die sie vergebens zusammenpaßte.

Auch diese empfing ihn wieder mit einer Fluth von Vorwürfen, Lorenz aber hielt sich nicht auf und floh aus dem Haus hinaus, als ob er hätte stehlen wollen und dabei erwischt worden wäre.

Erst nach langer Zeit gewöhnte er sich auch an diese unausbleiblichen Folgen derartiger Depeschen, und als ich ihn neulich sprach, hatte er sogar eine Art statistischer Tabelle aufgestellt, nach der er berechnet haben wollte, daß durchschnittlich auf je vier telegraphische Depeschen – denn nicht alle laufen so unglücklich ab, – eine Ohnmacht und zwei zerbrochene Tassen, nur auf die sechste oder siebente aber ein ernstlicher Unfall folge.

»S'is was Scheenes um en Telegrafen,« sagte er dabei, »aber Gott bewahre Eenen vor ener telegrafischen Depesche!«

Der Polizeiagent.