»Ah, dann ist ja voller Tag,« sagte Burton, »und im schlimmsten Fall halten wir ihn mit Gewalt zurück. Wäre es aber nicht besser, wir äßen auf unserem Zimmer?«

»Jetzt kommt er nicht mehr herunter,« meinte Hamilton. »Jedenfalls setzen Sie sich mit dem Rücken der Thür zu, und wenn er dann ja noch einmal den Saal betreten sollte, so werde ich bald sehen, was er für ein Gesicht dabei macht.«

Hamilton hatte übrigens Recht. Graf Kornikoff ließ sich nicht mehr blicken und als die Beiden ihr Abendbrod beendet hatten, gingen sie auf Mr. Burtons Zimmer hinauf, das einen Stock höher als Hamiltons lag, um dort noch Manches zu besprechen.

Burton hatte sich jedoch vorher, auf Hamiltons Rath unter einem französischen Namen in das Fremdenbuch eingetragen, um doch jede nöthige Vorsicht zu gebrauchen. Auch verabsäumte der schlaue Polizeibeamte nicht, vor Schlafengehen noch einmal die Tafel des Portiers zu revidiren, ob sich vielleicht Nr. 6 oder 7 darauf befand, um früh geweckt zu werden. Das war aber nicht der Fall, und Hamilton glaubte jetzt selber, daß jener Herr, wenn es wirklich der Gesuchte gewesen, Mr. Burton in dem Moment ihres augenblicklichen und unerwarteten Begegnens nicht erkannt haben konnte. Er brauchte also auch Nichts zu überstürzen.

III.
Entwischt.

Mitternacht war lange vorüber, als sich Hamilton endlich erschöpft und ziemlich ermüdet auf sein Lager warf, aber trotzdem befand er sich schon um fünf Uhr angekleidet wieder draußen auf dem Gang, denn heute sollte er ja den Lohn seiner Bemühungen ernten, und die Zeit durfte ihn nicht lässig finden.

Das Schuhwerk stand indeß noch immer friedlich dort draußen, des Hausknechts gewärtig, aber die Bewohner des Zimmers mußten auf sein – sollten sie doch am Ende heute morgen abfahren wollen? »Nein, mein lieber Mr. Kornik,« lachte der Engländer still vor sich hin, »da wir Sie so hübsch in der Falle haben, wollen wir auch Acht geben, daß Sie uns nicht wieder durch die Finger schlüpfen.«

In dem Augenblick wurde in Nr. 7 die Klingel gezogen und Hamilton trat in seine Stube zurück, ließ aber die Thür angelehnt. Er horchte – aber er konnte nicht hören, daß irgend jemand ein Wort sprach. Ein Paar Stühle wurden gerückt und Schiebladen ziemlich geräuschvoll auf- und zugemacht, aber keine Sylbe wurde laut. Hatte sich das junge Ehepaar vielleicht gezankt?

Draußen klopfte der Kellner an Nr. 7 an.

»Walk in