Jetzt aber, mit der Furcht, daß sie erkranken könne – und nach all den letzten furchtbaren Aufregungen schien das wahrlich kein Wunder – wich er fast gar nicht mehr von ihrer Schwelle, und der Portier selber, der eigentlich alles wissen soll, wußte nicht aus dem wunderlichen Fremden klug zu werden.
Dieser ruhte auch nicht eher, bis er gegen Abend die neue Gesellschafterin einmal auf dem Gange traf, um sie nach dem Befinden der jungen Dame zu fragen.
»Sie scheint ungemein aufgeregt,« lautete die Antwort derselben – »sie hat keinen Augenblick Ruhe, und wohl zehn Mal schon gesucht mich fortzuschicken, um allein zu sein. Sie ist jedenfalls recht leidend und ich werde eine unruhige Nacht mit ihr haben.«
»Mein liebes Fräulein,« sagte Burton, dadurch nur noch viel mehr beunruhigt – »ich bitte Sie recht dringend, sie nicht einen Augenblick außer Acht zu lassen. Stoßen Sie sich nicht an das geringe Salär, was Sie gefordert haben, es wird mir eine Freude sein, Ihnen jede Mühe nach meinen Kräften zu vergüten.«
»Ich thue ja gern schon von selber, was in meinen Kräften steht,« sagte das junge Mädchen freundlich – »die Dame wird gewiß mit mir zufrieden sein. Verlassen Sie sich auf mich – ich werde treulich über sie wachen.«
So verging der Abend und nur noch einmal schickte Miß Benthouse zu Mr. Burton hinüber, um zu hören, ob er noch keine Nachricht bekommen habe. Er mußte es wieder verneinen und wäre gern noch einmal zu ihr geeilt, aber Elisa sagte ihm, daß sich die junge Dame aufs Bett gelegt hätte, um besser ruhen zu können, und er durfte sie da nicht stören.
Es war zwölf Uhr geworden, und er wollte sich eben zu Bett begeben, als es an seiner Thür pochte. Er öffnete rasch, denn er fürchtete eine Botschaft, daß sich Jennys Krankheitszustand verschlimmert hätte, aber es war nur der Diener des Telegraphenamtes, der ihm – unter dem Namen, mit dem er sich in das Fremdenbuch eingetragen – eine Depesche brachte. Sie mußte von Hamilton sein.
Er hatte sich nicht geirrt. Sie enthielt die wenigen, aber freilich gewichtigen Worte, von Ems aus datirt:
»Ich habe ihn – morgen früh komme ich – Hamilton.«
»Gott sei Dank,« rief Burton jubelnd aus, »jetzt nehmen die Leiden dieses armen Mädchens bald ein Ende.«