»Caracho!« hörten sie eine Stimme in wildem Fluch — »was haltet Ihr mich fest? — was habe ich mit Euch zu schaffen?«
»Du mit uns wohl nichts, mein Schatz,« lachte dagegen des kleinen Italieners Stimme; »aber wir dagegen so viel mehr mit Dir. Was hast Du denn ausgefressen, daß Du auf einmal Fersengeld geben willst?«
»Was ist dort? — Wen habt Ihr da?« frug jetzt der Quitenische Offizier, der seine Leute rasch gesammelt hatte, weil er noch immer nicht recht wußte, wie er mit den Bewohnern dieser Gegend stand. Das Vivarufen allein hielt er noch für keine genügende Bürgschaft.
»Weiter Niemanden, Señor,« sagte da der kleine, herbeikommende Schneider, während seine vier Neger den Gefangenen schon fest gefaßt, und ihm in aller Eile die Hände auf dem Rücken zusammen geschnürt hatten — »als einen Herrn, der sich für einen Franco'schen Offizier ausgiebt, und unter der Firma einen ganzen Haufen voll Unheil angerichtet hat.«
»Señor Cerro,« rief aber der fremde Offizier erstaunt, »das ist ja ein eigenes Zusammentreffen. Also Sie sind ein Franco'scher Offizier?«
»Ich kenne Sie nicht, Señor,« sagte der Gebundene finster; »aber wenn Sie wirklich Quitenischer Offizier sind, so verlange ich wenigstens als Kriegsgefangener behandelt, und nicht in den Händen dieser Schufte gelassen zu werden.«
»Hoho, Señor,« schrie Rigoli lebendig, »wir werden Dir gleich Deinen Schädel weich klopfen, wenn Du Deine Zunge nicht im Zaume hältst.«
»Ich glaube, Sie sind in ganz richtiger Verwahrung, Señor,« erwiderte aber kalt der Quitener. — »Das ist kein Offizier, compañeros,« wandte er sich dann an die Leute, »sondern ein Schuft, der in Guajaquil, als eine Art Kammerdiener des Mulattengenerals, einen bedeutenden Diebstahl beging, und dann flüchtig wurde. Durchsucht ihn doch einmal, vielleicht finden wir noch eine Anzahl Juwelen bei ihm, die damals vermißt wurden.«
»Sieh einmal an,« lachte der Italiener — »das Geldsäckchen der armen Eva hatte er auch noch, das habe ich aber schon in Sicherheit gebracht — nun, vielleicht finden wir noch mehr.«
Cerro machte einen verzweifelten Versuch, seine Banden zu zerreißen, aber die Neger hielten ihn wie in einem Schraubstock. Er wurde zu Boden geworfen, und bald fand sich denn auch, daß er in einem um den Leib geschnallten Geldgürtel eine Anzahl werthvoller Steine und Golddoublonen versteckt trug.