Indessen hatten die Bewohner von Concepcion Kunde aus dem Innern von den Neugekommenen, wie auch von den sie begleitenden indianischen Lastträgern erfragt, und als sie jetzt die Bestätigung erhielten, daß der kleine Tyrann Franco schon vor drei Wochen aus Guajaquil verjagt und zu Schiff getrieben, das ganze Land aber in den Händen des Quitenischen Generals Flores, und der Bürgerkrieg wirklich beendet sei, kannte der Jubel keine Grenzen.

Natürlich war jetzt von einer Verfolgung oder Bestrafung José's keine Rede mehr. Der »Señor Cerro« blieb gebunden in den Händen der Polizei, um ihn in den nächsten Tagen durch den Sumpf nach Ibarra, und von da nach Quito zu schaffen, wo er den ordentlichen Gerichten übergeben werden sollte. Der würdige Alkalde von Concepcion aber war ebenfalls machtlos geworden, und die Bürger der kleinen Stadt luden den Offizier mit seinen Leuten jetzt auf das Herzlichste ein, mit ihnen nach Concepcion hinab zu fahren, und dort den Sieg der gerechten Sache solenn zu feiern.

Rigoli war einer der lebhaftesten bei dieser Einladung, und ruhte auch nicht eher, bis er den Offizier, um den Zug mit ihm zu eröffnen, allein und an der Spitze seiner Flotte in seinem Canoe hatte, das er jetzt mit einer, in dem dortigen Laden zusammengekauften und rasch genähten ecuadorianischen blau, roth und gelben Flagge schmückte.

Aber er vergaß in seinem Jubel auch nicht das arme, junge Paar, das so viel Leid ausgestanden. Noch in der nämlichen Woche kehrte er nach Cachavi zurück, und vier Wochen später bezogen José und Eva einen kleinen, reizenden Rancho, unmittelbar unter der Stelle, wo der Cachavi in den Bogota mündet, mit Orangenbäumen vor dem Hause, und ein paar wehenden Cocospalmen, wie einem schon angepflanzten Platanar. Die Hochzeit aber wurde in Cachavi ausgerichtet, und Rigoli tanzte darauf, zum Jubel der Neger, die sich über den kleinen fidelen Burschen vor Lachen ausschütten wollten, mit der jungen Frau die erste Marimba.


[Der Tiger.]

Es war an einem jener wundervollen Abende, wie wir sie wirklich nur in den Tropen finden, daß ich auf Java mit Herrn Phlippeau zu seiner Kaffeepflanzung nach Lembang hinauf fuhr. Lembang liegt außerdem schon etwa 4500 Fuß über der Meeresfläche, von drei bis sechs Uhr Abends war der gewöhnliche, fast immer von Gewittern begleitete Schauer gefallen, der die Erde abgekühlt und die Bäume und Pflanzen mit seinem erfrischenden Segen überschüttet hatte, und die Luft kühl und labend. Hoch am Himmel stand das südliche Kreuz, und ein wunderbarer Blüthenduft wehte von den Fruchtbaum-Oasen der einzelnen Kampongs oder Dörfer zu uns herüber.

Die Theeplantage von Tjoem Boeloeit hatten wir schon lange hinter uns, und der Weg zog sich ziemlich steil an dem Berghang empor, aber die vier munteren Macassarhengste zogen den leichten Wagen rasch bergan, und unsere Cigarren rauchend und im Fond zurückgelegt, genossen wir mit voller Lust den wahrhaft wundervollen Abend.

So erreichten wir endlich die Höhe des Berges, auf dem das Wohnhaus mit den Kaffeegebäuden, Mühlen und Trockenhäusern lag, von denen wir selber etwa noch sechshundert Schritt entfernt sein mochten, als ich einen eigenen dumpfen Ton zu hören glaubte, und in demselben Moment auch die Pferde unruhig wurden und von dem Kutscher kaum konnten in der Straße gehalten werden.