Nun fand man sie allerdings in vielen Gewerken vertreten; sehr selten wird man aber einen der Race als Drechsler, Blechschmied, Uhrmacher &c. antreffen, selbst Kaufleute und Händler wurden sie nur in Ausnahmsfällen. Dagegen monopolisirten sie schon früher in allen nordischen Städten Amerikas sowohl, wie selbst im Süden die sogenannten barbershops oder Barbierläden, in denen auch stets zugleich frisirt wird. Sämmtliche Köche und Kellner in den großen Hotels, Oystershops und anderen Anstalten sind ebenfalls »coloured men« und keine Musikbande besteht fast von den Canadischen Seen nieder bis zum Cap Horn an der Südspitze des Festlandes, wo nicht ein Neger oder Mulatte die große Trommel schlüge oder Cymbeln und Triangel bearbeitete.
Auch an Bord von Schiffen sind sie meist Köche und Stewards, seltener Matrosen, nie aber konnten sie als Steuermann fahren und können es wahrscheinlich noch nicht, denn kein weißer amerikanischer Matrose würde sich von ihnen etwas befehlen lassen.
Merkwürdig ist überhaupt die grenzenlose Verachtung, mit welcher die farbigen Leute, selbst in ihren lichtesten Abkömmlingen, von den weißen Nordamerikanern behandelt wurden, ehe ihre Emancipation erklärt war. Sie hatten im Theater ihre bestimmten Plätze, auf der Eisenbahn ihre besonderen Wagen, sie mußten in den Straßen jedem Weißen ausweichen, wenn sie sich nicht augenblicklicher Züchtigung aussetzen wollten, und nur in neuerer Zeit scheint man den Versuch gemacht zu haben, sie in Allem den weißen Bürgern der Union gleichzustellen, ja ihnen sogar das Stimmrecht zu verleihen, und es bleibt abzuwarten, wie lange das gut thut. Es wird aber sehr schwer sein, die alten Vorurtheile so mit einem Mal zu beseitigen, denn der Weiße haßte nicht allein den Neger — das hätte sich ändern lassen —, nein er verachtete ihn auch, und ein derartiges Gefühl ist unendlich schwer in Achtung zu verkehren. Geschah doch sogar das Außerordentliche vor einigen Jahren in einem der ersten Hotels Bremens, einer deutschen Stadt, wo ein Violinenvirtuos, ein Mulatte und ein durchaus gebildeter junger Mann, die Tafel auf Geheiß des Wirthes verlassen mußte, weil die dort das Haus zahlreich frequentirenden amerikanischen Schiffscapitaine drohten, das Hotel in Verruf zu erklären, wenn der Nigger nicht entfernt würde.
Jetzt ist die Sclaverei im Norden aufgehoben, und das einzige Land des amerikanischen Continents, wo es noch (außer in einem kleinen Theile Guianas) Negersclaven giebt, ist Brasilien. Dorthin wird auch noch — trotz aller dem entgegenlaufenden Gesetze — ein lebhafter Negerhandel von der afrikanischen Küste getrieben. Man scheint übrigens die Sclaven in Brasilien — so weit ich nämlich darüber urtheilen kann, — ziemlich gut zu behandeln, und die Regierung thut auch ihr Möglichstes der Verbreitung der Sclaverei entgegenzutreten. Verbietet man doch sogar den deutschen Colonisten dort Sclaven zu halten. Die Neger verleugnen aber auch dort ihr leichtes Blut nicht und verrichten die schwersten Arbeiten unter Singen und Lachen. So sah ich einst vier Neger ein Pianino in Rio-Janeiro durch die Straßen tragen, und zwar auf ganz eigenthümliche, dort aber stets gebräuchliche Weise. Sie trugen das ziemlich schwere Instrument an den vier Ecken auf den Köpfen, und keuchten nicht etwa ihren Weg entlang, sondern tanzten. Einer von ihnen hatte eine Art von Castagnetten, mit denen er den Tact angab, und während sie mit lauter, jubelnder Stimme und außerordentlich vergnügten Gesichtern eines ihrer tollen Lieder sangen, tanzten sie dabei im wahren Sinn des Worts auf dem breiten Trottoir hin und verdrehten ihre Körper in der wunderlichsten Art.
In sämmtlichen Republiken des amerikanischen Continents sind die Negersclaven freigegeben, denn mit Recht hielten es die damaligen Gesetzgeber einer Republik für unwürdig, alle Menschen frei und gleichberechtigt zu erklären, und doch dabei die eine bestimmte Race in Banden und Knechtschaft zu halten. An der ganzen Westküste Amerikas, wie auch in den La Plata-Staaten, giebt es, dem Gesetz nach, keinen Sklaven mehr. Wo aber wäre schon ein Gesetz gegeben worden, das nicht der Eigennutz und die Habgier der Menschen zu umgehen und kraftlos zu machen gewußt!
Das Gesetz in Ecuador und Peru sagt ausdrücklich, daß dort kein Neger mehr als Sclave gehalten und verkauft werden darf, und doch geschieht Beides noch bis zu dieser Stunde, wenn auch in beschränktem Maße, aber noch dazu vor Gericht und von den Gesetzen unterstützt. Das Wie? ist leicht erklärt. Die Neger sind Alle frei, aber — Contracte haben, zwischen Arbeitgeber und Arbeiter, volle Gültigkeit. Die Neger sind, wenn nicht zur Arbeit gezwungen, ziemlich faul, und Viele von ihnen auch dem Trunk ergeben. Haben sie gar kein Geld mehr, so arbeiten sie, und Weiße finden sich überall, die ihnen Vorschuß geben. Hat der Neger aber von einem Weißen erst einmal Vorschuß bis zu einer Höhe von vierzig Dollars erhalten, dann kommt der Gläubiger zu den Schwarzen und sagt: »Hör' einmal, lieber Freund, das geht nicht mehr. Was Du mir schuldig bist, kannst Du allerdings nach und nach abarbeiten, aber Du mußt mir jetzt hier diesen Schein unterschreiben, daß ich vierzig Dollars an Dich zu fordern habe und Du mir dafür ein Jahr dienen willst. Was Du indessen brauchst, geb' ich Dir.« Der Schwarze unterschreibt nun den Schein und tritt in den Dienst des Weißen, dessen Sclave er von dem Augenblick ist, denn in nur sehr seltenen Fällen wird er wieder frei. Was er nämlich indessen an Kleidern und Schuhwerk braucht, oder an Branntwein haben will, giebt ihm sein neuer Herr bereitwillig, zu von ihm selbst festgestellten Preisen, und sorgt dadurch schon dafür, daß er bis zum Ende des Jahres wieder die alten vierzig Dollars Schulden hat.
Auch ein förmlicher Verkauf ist dabei nicht ausgeschlossen, wenn dieser auch unter einem anderen Namen stattfindet. Ein Anderer zahlt nämlich dem Gläubiger die Schuldsumme vor Gericht, und eine Kleinigkeit mehr privatim, wenn verlangt, und der Sclave — wechselt seinen Herrn.
In Ecuador haben sich die befreiten Sclaven meist in das niedere Land gezogen und dort ganze Districte besiedelt. In den mächtigen Niederungen, besonders an den Ufern der verschiedenen Ströme, sind förmliche Niederlassungen von ihnen gegründet, und man kann dort tagelang reisen ohne einen anderen Menschen als einen Neger oder Mulatten zu treffen. So fand ich am Cachavi (einem kleinen Strom, der sich in den Santiago ergießt und durch diesen mit dem Pailon in Verbindung steht) eine völlige kleine Negerrepublik. Sie hatten dort einen schwarzen Alcalden und schwarze Beamte und nur ein einziger weißer Händler, ein Italiener, lebte zwischen ihnen.
So war es an der ganzen Westküste aufwärts, während auch im Süden die Ufer des Guajaquilstroms meistens von Schwarzen besetzt und bebaut waren, die dort Platanare- und Cacaopflanzungen angelegt hatten, während die Weißen den Handel zwischen ihnen vermittelten.
Anders stellte sich das Verhältniß in Peru, wo es kein niederes sumpfiges Land giebt, das ihnen, wie in den nördlicheren Staaten, allein überlassen blieb. Dort halten sich die Schwarzen in der Nähe von Lima, oder selbst in der Stadt auf — eben nicht zum Nutzen der öffentlichen Sicherheit — und es giebt kaum ein frecheres, vorlauteres Volk in der weiten Welt, als diese freigesprochenen Neger Perus. Ganze Vorstädte bevölkern sie dort, und während die Regierung die jungen Leute meist unter die Soldaten steckte, sind doch noch genug übrig geblieben, um die Straßen unsicher zu machen. Nicht mit Unrecht legte man nämlich den Schwarzen einen großen Theil jener Straßenräubereien zur Last, die in der unmittelbaren Nähe Limas verübt wurden und ihren Höhepunkt erreichten, als die Todesstrafe aufgehoben wurde. Die Gefängnisse waren nämlich so beengt, daß man die Verbrecher gar nicht alle darin unterbringen konnte, und es ist wohl nicht blos eine Fabel, wenn die Peruaner behaupten, daß man damals, wenn die Zellen gefüllt waren und neue Sträflinge eingeliefert wurden, die hinausließ, die am längsten gesessen hatten. Erst als Präsident Castilla im Jahre 1860 die Todesstrafe nothgedrungen wieder einführte und zugleich ein riesiges Zellengefängniß mit furchtbaren Behältern im Bau begann, nahmen die Verbrechen etwas ab, wenn sie auch nicht ganz aufhörten.