Und tragen die Schwarzen allein an diesen Verbrechen die Schuld? Ich glaube kaum. Befreite Sclaven nur waren es, die das gewonnene Gut, ihre Freiheit, misbrauchten, weil sie nie gelernt hatten es zu schätzen, und wahr ist das Wort:

Vor dem Sclaven, wenn er die Kette bricht —
Vor dem freien Menschen erzittere nicht.

Wir dürfen uns deshalb auch nicht wundern, wenn wir noch von manchem Misbrauch hören sollten, den die Neger in Nordamerika von ihrer Freiheit machen. Es ist leicht, aus einem Sclaven einen freien Menschen, aber entsetzlich schwer, aus einer rohen arbeitenden Kraft plötzlich und mit einem Schlag einen civilisirten und vernunftbegabten Staatsbürger zu machen.

Unverhältnißmäßig wenig Neger giebt es, zum großen Glück für die dortige Bevölkerung, in Australien, was aber nur zufälligen Umständen zu verdanken ist.

In Nordamerika waren die kriegerischen Eingeborenen nicht zur Arbeit zu zwingen, und zogen sich, durch ihr Terrain begünstigt, weiter und weiter in ihre Wälder zurück; ebenso in Brasilien. In den übrigen spanischen Colonien, wo jene Piraten, die auf ihren verschiedenen Raubzügen die Länder nach und nach entdeckten, von fanatischen Priestern angestachelt, Millionen unschuldige Menschen unter dem Vorgeben erschlugen, ihre Seelen zu retten, rotteten sie die Bevölkerung aus. In allen diesen Ländern mußte der Sclavenhandel die fehlenden Arbeiter ersetzen. Nicht so in Australien, das von England aus nur als Verbrechercolonie in Besitz genommen, und durch hinübergesandte Sträflinge zuerst colonisirt wurde. Dort brauchte man keine Sclaven, denn die Kettengänge der verurtheilten Verbrecher verrichteten so lange die Arbeit, bis freiwillige Einwanderer, durch den Reichthum des Landes angelockt, ihre Plätze einnahmen. So kommt es denn, daß sich dort nur sehr wenig Neger aufhalten, und es sind das fast nur einzelne, von Schiffen entlaufene Matrosen. Ja selbst diese hielten sich in den Städten auf und mieden, nach einigen verunglückten Versuchen, das innere Land, wo sie bald fanden, daß selbst ihr Aufenthalt dort mit Lebensgefahr für sie verknüpft sei, da ihnen die Australischen Schwarzen erbittert nachstellten.

Merkwürdig ist der Haß der Mulatten und Quadronen gegen die Neger, deren Stamm sie doch entsprossen. Wie der Wolf keinen grimmigeren Feind in der Welt hat, als den Wolfshund, wie der Renegat kein Volk so hart bedrückt, als seinen eigenen Stamm, so haßt der Mulatte selbst den Weißen, der ihn unter die Füße tritt, nicht so bitter, wie seine eigene schwarze Verwandtschaft, und die grausamsten und unerbittlichsten Sclavenaufseher oder nigger-driver der ganzen Welt sind überall die Mulatten selber.

Besonders hat sich das auch in dem Befreiungskrieg von Haiti gezeigt, wo die Mulatten die entsetzlichsten Grausamkeiten gegen die eigentlichen Neger begingen, und wieder ihrerseits von diesen auf das Bitterste verfolgt und, wo es anging, vernichtet wurden.

Der Charakter der Negerrace ist im ganzen gutmüthig, denn bei nur einigermaßen freundlicher Behandlung sind sie leicht bei guter Laune und willig zu jeder Arbeit zu erhalten. Viel religiöser Sinn liegt nicht in ihnen, wo sie sich aber einmal in diese Richtung werfen, da werden sie auch leicht fanatisch, besonders die Frauen, und neigen dann meist zu den Secten, deren Religionsübungen in den lautesten Ausbrüchen stattfinden, wie z. B. die Methodisten in Amerika. Diese haben in der That die meisten Anhänger unter den Schwarzen, und einer solchen Andacht beizuwohnen, wenn der »Geist« über die Betenden kommt und sie zu rasen anfangen, wenn sie stampfen, springen, schreien und ihre eigene scharfe Ausdünstung dabei den geschlossenen Raum erfüllt, ist das Haarsträubendste, was man sich auf der Welt denken kann.

Dabei lieben sie Putz und helle Farben. Die Frauen besonders kleiden sich am liebsten in Weiß und Hellgelb und es steckt wirklich etwas vom Affen in ihrer Natur, wenn man sieht, wie gewissenhaft der freie Schwarze die Moden der Weißen nachahmt, und wie komisch er sich darin bewegt.

Nehmen wir ein Bild aus der Zeit vor Aufhebung der Sclaverei, Ein alter, würdiger gelbbrauner Gentleman mit vollkommen weißwolligem Haar, der in seiner Jugend vielleicht auf irgend einer südstaatlichen Pflanzung Baumwolle pflückte, später als Steward auf einem Dampfboot mit furchtbar gescheiteltem Haar eine Serviette unter dem Arme herumtrug, um sich im reiferen Mannesalter hinter den gestreiften Barbierpfahl der schönen Kunst zurückzuziehen, hat sich endlich zur Ruhe gesetzt und ordentlich rührend ist die steife Ehrbarkeit, mit der er jetzt seinen schwarzen Frack, weiße Hosen, ein großes, schneeweißes Jabot, riesige Vatermörder und eine vergoldete Dose trägt.