Dort kommen zwei schwarze Damen Broadway herunter. Es ist Sonntag Nachmittag, die eine Dicke — mit einer Statur, mit der sie auf jeder deutschen Messe als »Kolossdame« ihr Glück machen könnte, — ist in ein weißes, ausgeschnittenes Mousselinkleid gehüllt, das ihre Reize mehr verräth, als verbirgt — Sie trägt dabei eine goldene Kette, riesige Ohrringe, Broche, Gürtelschnalle, Armbänder, Ringe, kurz einen wahren Juwelierladen von Offenbacher Arbeit, einen weißen Seidenhut mit sämmtlichen Landesfarben der Welt, und einen orangegelben chinesischen Shawl. Die junge Dame aber, die sie bei sich hat, ein junges Ding von noch kaum siebenzehn Jahren, voll und schlank gebaut, nur von Rabenschwärze und mit etwas zu sehr aufgeworfenen Lippen, aber prachtvollen Zähnen und ein paar wahren Gluthaugen, geht ebenfalls weiß gekleidet und noch dazu höchst kokett mit weißen Rosen in dem wulstigen Wollhaar, das in unzählige kleine Zöpfe geflochten ist.

Ihnen begegnet ein junger Stutzer — ebenfalls »couleurt.« Er war Steward in einem der ersten Hôtels Philadelphias und ist jetzt nach New-York gekommen, um hier ein »Engagement« zu suchen. Er geht à quatre épingles gekleidet, ordentlich carrikirt modern, mit hellblauer, kaum fingerbreiter Cravatte, veilchenblauen Glacéhandschuhen, Glanzstiefeln, großcarrirten, sehr engen Pantalons, hellblauem Frack mit gelben Knöpfen, weißer, gestickter Weste, Tuchnadel, Hemdknöpfen, Uhrkette und Berloques, kurz mit Schmuck behangen, wie ihn bei uns nur ein jüdischer Weinreisender trägt. Ein kleines Rohrstöckchen mit Elfenbeingriff, ein gekrümmtes Knie vorstellend, hält er an die dicken Lippen und betrachtet musternd die ihm Begegnenden. Da fällt sein Blick auf das ungleiche Paar.

»By Golly!« ruft er entzückt aus, »Missus Nelson and the lovely blossom Miss Sarah Mary!« (Madame Nelson und die liebliche Blüthe Fräulein Sarah Mary.)

»Oh, Looord a Massy,« sagte die alte würdige Dame mit einem tiefen Grundbaß, indem sie erstaunt mitten im Weg stehen bleibt und beide Hände — von denen die eine den Sonnenschirm, die andere den »Strickbeutel« hält, erstaunt emporhebt, »Mr. Brown in New-York.« Die junge Dame lächelt verschämt und zeigt zwei Reihen wundervoller Zähne und ein paar verführerische Grübchen in den Backen. Mr. Brown ist ganz befangen von der aufgeblühten Knospe, die er seit Jahren nicht gesehen. Er behält den Hut in der Hand.

»Bitte, bedecken Sie sich, Mr. Brown,« sagte die Dame, »Gemmen always do.« (Die Herren thuen das immer.)

Mr. Brown gehorcht, aber noch immer wie in einem Traum. Dabei vergißt er die für Einen seiner Race stets nöthige Aufmerksamkeit in der Straße.

Ein junger Patricier kommt des Weges; er ist elegant, aber nachlässig gekleidet, sein Gesicht sieht verlebt und unzufrieden aus. Er scheint nicht besonders guter Laune; seine Stirn ist in Falten gezogen: plötzlich stößt er gegen den ent- und verzückten Mr. Brown aus Philadelphia an.

»Kannst Du nicht aus dem Weg gehen, verdammter Nigger!« und ein Faustschlag schleudert den Unglücklichen aus seinem Himmel und von dem Trottoir hinab, daß ihm der Hut vom Kopf und der Stock mit dem Elfenbeinknie aus der Hand fällt.

»Loooord a Massy!« haucht die alte würdige Dame wieder in tiefer Entrüstung, aber mit nur halblauter Stimme, und der unglückliche Mr. Brown wagt gar keine Entgegnung und hebt nur bestürzt seine Habseligkeiten wieder auf. Er weiß recht gut, daß alle Weißen in Sicht bei der geringsten Widersetzlichkeit über ihn herfallen und ihn mit Händen und Füßen mißhandeln würden. Klagen? bei wem?

»No dammage done« (kein Schaden verursacht), lacht ein Irländer, der gerade sehr vergnügt mit seiner »dray« oder seinem Karren vorüberfährt.