Es waren das tägliche Scenen in New-York und sind es vielleicht noch, denn das Volk, was auch die Regierung für Gesetze erläßt, wird sich schwer daran gewöhnen können, dem »Nigger« eine Gleichberechtigung mit sich selber zuzugestehen.

Dadurch bleiben sie auf sich selber angewiesen — eine verachtete Classe in einer ihnen fremden Welt, selbst wenn sie sich, wie das gar nicht etwa selten geschieht, zu Wohlstand und selbst Reichthum hinaufarbeiten.

So besuchte ich einst das Haus eines alten, sehr reichen Mulatten, der am False River in Louisiana eine große Plantage und selbst viele Sclaven hatte. Ich wollte einen von diesen von ihm miethen und wurde von der chamber maid oder dem »Kammermädchen«, das mir die Thüre öffnete, in das untere, hohe und luftige »Parlour« gewiesen.

Welch ein Unterschied: die Stammesgenossen des alten Herrn wohnten da draußen in kleinen, dürftigen Negerhütten, ihre Kleidung war ein weißbaumwollener Kittel, ihre Nahrung die gewöhnliche Negerkost: Speck und Syrup — und hier?

Das Zimmer war mit einer rothen, geschmackvollen Tapete ausgeschlagen. Gepolsterte Divans und Fauteuils standen darin umher und Mahagonymeubles. An den Wänden hingen — allerdings nicht gerade von den ersten Künstlern gemalte — Bilder alter, würdiger Herren und Damen aus der Familie, mit schwarzbraunen Gesichtern und Wulstlippen, aber in höchstem Staat und Glanz — es schien der Ahnensaal zu sein — und auf dem einen Divan und in dem einen Fauteuil lehnten zwei gelbbraune Damen von etwa zwei- und sechsundzwanzig Jahren in einem sehr losen, aber sehr sauberen Morgenanzug — die erhitzten Gesichter komischer Weise dicht mit weißem Puder bestreut, um die transpirirte Feuchtigkeit abzutrocknen. Sie empfingen mich aber mit Grazie, und der alte Herr, der bald darauf eintrat, machte das Geschäft mit mir in wenigen Minuten ab.

Es war ein Mann von — wie man ihn dort taxirte — etwa hunderttausend Dollars Vermögen, aber dennoch durfte er nicht wagen, sich in irgend einem Hôtel mit an den Tisch zu setzen, oder — wenn er einmal das Dampfboot nach New-Orleans benutzen wollte — auf diesem in der Cajüte zu fahren. Er mußte im Zwischendeck bleiben, wohin die »Niggers« gehörten.

Wie wunderbar ist überhaupt die ganze Race über den Erdboden zerstreut! In der Heimath, unter ihren kleinen Fürsten, deren Geldgier die Weißen erregt haben, geknechtet, gehetzt, eingefangen und an die Fremden verkauft, arbeiten sie in einigen Ländern unter der Peitsche ihres Aufsehers, während sie in anderen, der eigenen Heimath entfremdet, als unabhängige Menschen leben dürfen — und wie benutzen sie diese Freiheit?

Der Stamm Israels, auf ganz ähnliche Weise in der Welt zerstreut, macht einen anderen Gebrauch davon. Die Mehrzahl weiß, daß sie, nicht zu der bevorzugten Kaste gehörend, nie durch sich selbst, nur durch den Erwerb herrschen kann, und wirft ihre ganze Fähigkeit auf diesen Zweig. Der Neger nicht. Er hat keinen Sinn für Wissenschaften, kein Geschick für den Handel, und was er sich verdient, geschieht mit schwerer Arbeit oder eisernem Fleiß. Allerdings haben wir einige Ausnahmen, wie z. B. Ira Aldridge und einige Wenige, die sich wirklich der Kunst gewidmet, aber sie stehen viel zu vereinzelt da, um auch nur zu zählen.

Wo wir in Europa Neger oder ihre Abkömmlinge zu sehen bekommen, sind es entweder in Livrée gesteckte herrschaftliche Diener, Kunstreiter, oder Gesindel, das sich auf den Messen und Märkten herumtreibt, um dort entweder die große Trommel zu schlagen oder sich als Indianer in den Buden für Geld sehen zu lassen.

Der Neger lernt dabei leicht eine fremde Sprache, aber nie rein, und besonders scheint ihn der Buchstabe R darin zu stören, während dagegen die Indianerstämme, z. B. die australischen Schwarzen, ein ganz merkwürdiges Gehör für einen fremden Klang haben und vorgesprochene Sätze auf das Genaueste nachsprechen.