»Ob es in dem verbrannten Lande nicht auch alle Tage vom Himmel herunterschüttet!« brummte der Engländer und rauchte ruhig weiter. — Der Franzose beschäftigte sich damit, einen Theil der noch unordentlich umherliegenden Brassen aufzurollen. Eine davon aber, ohne daß es Mr. Culpepper sehen konnte, nahm er und hing sie über Bord, dann stieg er langsam und gleichmüthig über die Railing, ließ sich an dem Tau geräuschlos hinab und verschwand im nächsten Augenblick unter Wasser.
»Heh, Bill!« rief der Engländer nach einer Weile, ohne jedoch den Kopf zu wenden. — »Wohin wolltet Ihr denn eigentlich, wenn Euch der Alte losgelassen hätte?«
Er bekam keine Antwort und sah sich jetzt erstaunt um. — Das Deck war leer.
»Hm!« brummte Mr. Culpepper vor sich hin. »Habe ihn doch gar nicht fortgehen hören —«
»Du, Juan, da schwimmt ein Fisch!« sagte einer der Leute vorn an Bord. »Wetter! Das muß ein großer Kerl sein. Ich mache meine Angel zurecht, vielleicht fangen wir ihn.«
Es hatte sich für einen Moment ein dunkler Gegenstand über Wasser gezeigt, verschwand aber sogleich wieder und einige der Leute holten ihr Angelgeräth vor. Es gab wirklich viel Fische dort in der Nähe des Landes und das aufsteigende Gewitter begünstigte den Fang.
Bill, wie ihn Mr. Culpepper alter Gewohnheit wegen nannte, hieß eigentlich weder Bill, noch Guillaume, sondern Baptiste Lecomb, und hatte unterdeß seine Flucht so keck und rasch ausgeführt, daß er als ein ganz vortrefflicher Schwimmer das Land erreichte und längst zwischen den dunklen Häusern verschwunden war, ehe er an Bord vermißt wurde. Am Land zog er sich vor allen Dingen aus, und rang seine Kleider soweit als möglich trocken, daß er sich nirgends durch die übergroße Nässe verrieth — eine Erkältung brauchte er in dem heißen Clima nicht zu besorgen — und erkundigte sich dann bei dem ersten Eingeborenen, den er antraf, ob kein Europäer, besonders ob kein Franzose in dem Orte wohne. Er befand sich nicht weit von Renard's Haus und als er zu diesem hingewiesen war, machte er keine weitern Umstände einzutreten.
Monsieur Renard war eben nach Hause zurückgekommen und bei der Uebergabe der Stadt an Mosquera gegenwärtig gewesen. Er stand in seinem Laden und war gerade im Begriff, seine beiden Lampen anzuzünden, da er an diesem Abend unter den obwaltenden Verhältnissen nicht ohne Grund zahlreiche Gäste erwartete, und die jetzt aufflackernde einzelne Oelflamme nur ein sehr ungewisses Licht verbreitete. Wie in aller Welt hätte man auch eine solche Festlichkeit in einem solchen Ort anders feiern wollen als durch Trinken, und Renard wußte, daß er die besten Getränke in der Stadt hielt. — Es waren wenigstens die theuersten.
Eben nicht angenehm überrascht wurde er da durch den etwas unerwarteten Besuch, der sich ihm ohne Weiteres als Deserteur von einem der neugranadiensischen Kriegsschiffe vorstellte.