»Bindet den Verräther!« sagte Fosca ruhig, und ehe Ramos, mit der Ohnmächtigen beschäftigt, nur den Sinn der Worte begriff, hatten sich ein Paar der halbwilden Burschen schon auf ihn geworfen. Während ihn der Eine mit dem Kolben vor die Stirn stieß, daß er zur Seite stürzte, faßten die Andern seine Arme, zwangen sie zurück und schnürten sie fest.

Für einen Augenblick herrschte jetzt eine Scene der gräßlichsten Verwirrung in dem kleinen Gemach. Der Gefangene, der nur für einen Augenblick betäubt gewesen war, fuhr empor und suchte sich von seinen Banden zu befreien. In dem Ringen stürzte der Tisch um und das Kind kreischte so laut, daß es die Mutter damit wieder zum Leben zurückrief. — Aber auf der Straße unten sammelten sich ebenfalls Leute, und zwar Bewohner der Stadt, die den Señor Ramos immer nur als einen braven, ruhigen Mann gekannt, und jetzt nicht halb zufrieden waren, ihn so behandelt zu sehen, aber auch keinen entscheidenden Schritt gegen das bewaffnete wilde Gesindel wagen wollten.

»Nichtswürdiger Bube!« rief da Ramos, sobald er nur wieder Athem und Besinnung erlangte, das ganze Furchtbare seiner jetzigen Lage zu übersehen. — »Diebische, schuftige Canaille, aus dem Gefängniß entsprungen, um hier Deine boshafte Rache an Unschuldigen zu üben....!«

Ein Soldat kam heraufgesprungen und flüsterte Fosca einige Worte zu. — Die Stimmung unten wurde eine immer drohendere, und so gern sich der Commissair vielleicht noch eine Weile länger an den Qualen der Unglücklichen geweidet hätte, durfte er es doch nicht wagen. Er wußte genau, wie weit er gehen konnte und daß er in der Furcht der Bevölkerung vor einem Conflict seine beste Stütze hatte, war aber einmal der Damm durchbrochen, so ließen sich die Folgen nicht absehn. So lag ihm denn nur daran, der Scene so rasch als möglich ein Ende zu machen.

»Knebelt den Burschen!« sagte er finster. »Wir dürfen uns nicht länger mit ihm aufhalten — und dann an Bord.«

Den Soldaten selber war das ein erwünschter Befehl, denn sie fürchteten nicht mit Unrecht, daß er ihnen das Volk über den Hals schreien könne. Im Nu war das Knebeln geschehen, denn darin besaßen sie eine anerkennungswerthe Fertigkeit.

Ramos befand sich wenige Secunden später machtlos in der Gewalt seiner Feinde.

»Señor, um der heiligen Jungfrau Willen, was habt Ihr mit uns vor?« rief die Frau. — »Was ist geschehen, daß so Entsetzliches nöthig wurde?«

»Señorita,« sagte Fosca, dem jetzt nur daran lag, fort und an Bord zu kommen, und der deshalb vor allen Dingen die Frau beruhigen mußte, »wenn Ihr Herr Gemahl nicht nach einer Waffe gegriffen hätte, wäre das Alles unnöthig gewesen. Ertragen Sie für jetzt, was sich nicht ändern läßt, mit Geduld. Die Anklage ist allerdings erhoben und da die Regierung den Befehl zu Ihrer Verhaftung erließ, so muß derselbe auch ausgeführt werden. An Ort und Stelle finden Sie aber vielleicht Mittel und Wege, sich wirksam zu vertheidigen und Ihrer Rückreise — wenn Sie freigesprochen werden — steht dann nicht das Mindeste im Wege; jetzt fort mit ihm, Ihr Leute! — Macht rasch! Das Boot wartet. Señorita, wenn Sie noch etwas von Ihren Sachen mitzunehmen wünschen, was Sie auf der Reise brauchen, so habe ich nicht das Geringste dawider. — Alles Andere ist Staatseigenthum und wird Ihnen erst bei Ihrer Freisprechung in Buenaventura wieder eingehändigt.«

»Staatseigenthum?«