Ohne ein Wort zu erwidern schob ihm Don José einen Stuhl hin, auf den er aber, mit einer höflich dankenden Verbeugung, nur zuschritt und mit der Hand dessen Lehne ergriff, sich aber nicht niedersetzte.

»Es wird mir nicht so viel Zeit bleiben,« sagte er endlich, während er mit tückischer Schadenfreude das Entsetzen beobachtete, das sein Erscheinen unter den glücklichen Menschen angerichtet, »denn ich muß heute Abend noch an Bord zurückkehren, aber die Pflicht wird eine angenehme, da ich die Fahrt in so liebenswürdiger Gesellschaft mache. Señorita, ich möchte Sie bitten, etwas Wäsche zusammen zu packen, denn Sie werden uns begleiten.«

»Ich!« rief die Frau erbebend, und ihre Wangen überzog Todenblässe. — »Was, um der Jungfrau Willen, haben Sie vor?«

»Señor,« sagte aber Ramos, der sich die größte Gewalt anthun mußte, um ruhig zu bleiben, — »führt Sie eine Botschaft hierher, die Sie für mich haben, so bitte ich, sich direct an mich deshalb zu wenden — einen unpassenden Scherz, den Sie sich mit meiner Frau erlauben, dürfte ich nicht in der Stimmung sein, ruhig zu ertragen. Sie wissen doch, daß Sie hier in meinem Hause sind?«

»Señor Ramos,« erwiderte der Commissair mit seiner ewig lächelnden Ruhe, die dem Gegner das Blut wie Feuer durch die Adern strömen machte, »behalten Sie Ihr kaltes Blut! — Uebrigenes kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß ich in diesem Augenblick zu nichts weniger als zum Scherzen aufgelegt bin. Als ich Ihrer Frau Gemahlin sagte, sie würde uns begleiten, sprach ich im vollen Ernst, denn ich bin hierhergekommen, Señor Ramos, um Sie und Ihre Familie im Namen Sr. Excellenz unseres hohen und berühmten Präsidenten Mosquera als Hochverräther zu verhaften und nach Buenaventura hinüber zu führen.«

»Meine Familie?« schrie Don José fast außer sich. — »Und wenn ich wirklich ein Hochverräther wäre, was hätte mein Weib — mein Kind dabei zu thun?«

»Das Kind allerdings nichts,« lächelte der Commissair, »aber die Anklage lautet gegen Sie und Ihre Frau Gemahlin, und so leid es mir thut —«

»Hund, verruchter!« stöhnte da Ramos, der seine Wuth nicht länger mäßigen konnte, indem er eins der auf dem Tisch liegenden Messer aufgriff und damit auf den Buben lossprang. Fosca aber, der mit der entschiedenen Absicht hierher gekommen war, seinen Todfeind bis zum Aeußersten zu reizen und dann erst zu vernichten, war darauf vollkommen vorbereitet und hatte nichts versäumt.

Bei der ersten Bewegung, die der Wüthende machte, stieß er die Thüre auf und in dem Moment sprangen die indessen heraufgeschlichenen Soldaten — Gesindel, das er sich selber zu dem Zweck an Bord ausgesucht — über die Schwelle und legten ihre Gewehre an. Die Frau fuhr in jähem Entsetzen nach ihrem Kind, das schreiend die Aermchen nach ihr ausstreckte, aber ihre Kräfte vermochten nicht sie länger aufrecht zu halten; sie brach ohnmächtig zusammen und ihr Mann, alles Uebrige in der Angst um die Gattin vergessend, ließ das Messer fallen und sprang zu, um sie zu unterstützen.