»Sie kommen die Leiter herauf!« rief die Frau ängstlich. »Was können sie in der Zeit noch von uns wollen? Es ist so viel fremdes Volk im Ort.«
»Gott weiß es!« erwiderte der Mann, jetzt ebenfalls aufstehend, denn die Frau hatte Recht. »Bleib' sitzen, Adriana, mein Kind. Laß Du Dich wenigstens nicht stören. Bleibe Du auch hier, mein Herz, ich werde selber nachsehen.«
»Ave Maria!« sagte plötzlich eine Stimme draußen an der kleinen Bambusthür, die ebenfalls nur dieses eine Haus verschloß — denn Niemand wird in einem der südamerikanischen Länder ein fremdes Haus ohne diese fromme Anrede betreten, wenn auch der Sinn derselben oft nicht mehr bedeutet als der profane Anruf bei uns, ob Jemand daheim sei.
»Purisima!« erwiderte Don Jose und öffnete die Thür, aber ein kaltes, eisiges Gefühl durchzuckte sein Herz als der Lichter Schein auf das bleiche tückische Gesicht des Commissairs fiel, der mit einem spöttischen Lächeln das kleine freundliche Gemach rasch mit den Augen überflog und dann höhnisch sagte:
»Ungemein erfreut, Don José, Euch nach langem Suchen endlich in Euerm stillen Asyl aufgefunden zu haben. Die Señorita doch wohl, hoffe ich? Bedauere, wenn ich vielleicht stören sollte, aber Geschäfte, wie Ihr wißt, Don José, dulden nun einmal keinen Aufschub.«
»Señor Fosca!« sagte Ramos fast tonlos — und er mußte sich zusammen nehmen, um seine Fassung zu bewahren. »Ich hatte nicht erwartet, Euch hier zu sehen, denn ich glaubte, daß —«
»Ich noch ruhig hinter den eisernen Gittern säße, hinter die Ihr die Güte gehabt, mich zu setzen, wie?« lächelte der Mann und eine fast teuflische Bosheit zuckte über sein außerdem nicht schönes Gesicht.
»Ich that nur meine Pflicht, Señor,« erwiderte Ramos.
»Natürlich, Don José, natürlich! — Mehr thun wir Alle nicht. Aber wollen Sie mich wirklich heute Abend hier an der Thüre stehen lassen? Señorita, bitte, setzen Sie sich, Sie zittern ja, als ob Sie einen Geist gesehen hätten.«