»Wie furchtbar schön ist das!« hauchte die Frau, das großartige Schauspiel aber doch mit scheuen Blicken betrachtend, denn wenn sich eine neue Woge hob, war es, als ob sie näher und näher zu ihnen kam, und sie unmerklich aber sicher, wie in einer gewaltigen Strömung dort hinüber reißen müßte. »Werden wir dort nicht hinein treiben?«

»Nein, Señora,« sagte Baptiste freundlich. »Haben Sie keine Angst! Die Elemente sind gnädiger mit uns als die Menschen. Ich fürchtete einen scharfen Süder, bei dem wir allerdings Schwierigkeiten gehabt haben würden hier vorbei zu laufen, aber statt dessen erhebt sich, wie ich eben fühle eine leichte Seebrise, und mit der können wir es uns bequemer machen, als wir es bis jetzt gehabt haben. Bitte führen Sie nur noch kurze Zeit das Steuer — nur nicht weiter in die See hinaus, nur immer in der nämlichen Entfernung von den Brandungswellen, wie wir uns bis jetzt gehalten, ich werde jetzt das Boot ein wenig behaglicher herrichten.« Er legte sein Ruder nieder, stieg über die Sachen hinweg, die er in der Mitte so eng als möglich zusammenpackte, und eine der Matratzen vorn im Boote ausbreitete, daß sie eine Art von Mulde bildete.

»So Señora,« sagte er dann freundlich, indem er zurück stieg und ihr die Hand reichte, »jetzt klettern Sie hier vorn herüber. — Haben Sie keine Angst, ich halte Sie. Das Kind gebe ich Ihnen dann nach, und legen Sie sich da vorn ganz unbesorgt zum Schlafen nieder. Sie bedürfen der Ruhe und die arme kleine Adriana auch.«

»Aber wer sind Sie,« sagte die Frau jetzt, indem sie seinen Anordnungen folgte, »daß Sie Ihr Leben für uns wagten und jetzt auch noch so freundlich Sorge tragen?«

»Wenn wir Tageslicht bekommen, erkennen Sie mich vielleicht wieder,« lächelte Baptiste. »Jetzt überlassen Sie uns nur die Sorge um das Boot.«

Aus seinem Ruder richtete er nun einen kleinen Mast her, aus einem der Betttücher machte er ein Segel, ein anderes Ruder gebrauchte er zum Ausholer, und als er die Schote befestigt hatte und anzog, fühlten sie bald, daß der Wind in die Leinwand schlug und anzog. Ziemlich so rasch wie vorher mit den Rudern, aber völlig geräuschlos, und sanft wie von einer Schaukel gehoben und fortgeführt, glitt das Boot über die Fluth und die junge Frau, ihr schlummerndes Kind im Arm, war, von den Aufregungen der letzten Nacht zum Aeußersten erschöpft, bald in einen sanften Schlaf gefallen.

Pedro, der arme Teufel, der für sein Leben gerudert hatte, fühlte sich ebenfalls so todesmatt, daß er, als ihm Baptiste den Befehl gab sein Ruder einzunehmen, zurück mit dem Kopf gegen die Matratze sank und augenblicklich einschlief.

Und immer weiter, jetzt gerade nach Süden, dann ein wenig zum Osten zurückhaltend, steuerte Baptiste das Boot. Neben ihm wand sich aber der unglückselige Commissair in solchen augenscheinlichen Schmerzen, daß Ramos endlich selber Mitleiden mit dem Verräther fühlte und leise sagte:

»Dürfen wir ihm nicht jetzt wenigstens den Knebel aus dem Munde nehmen? ich fürchte, er erstickt.« —

»Schade wär's nicht um ihn,« sagte Baptiste trocken, »aber meinetwegen. Er wird ja ohnedieß klug sein und das Maul halten, oder wir machen kurzen Proceß mit ihm und werfen ihn über Bord. Es wäre überhaupt das Beste, ihn hier an einer oder der anderen Manglarenspitze auszusetzen, dort könnte er sich amüsiren und die zahllosen Mosquitos füttern.« Aber er bog sich doch, noch während er sprach, zu dem Gefangenen über und nahm ihm das Tuch aus dem Mund. Fosca athmete tief und schwer auf, aber er gab keinen Laut von sich. Die Drohung hatte gewirkt, denn ein Aussetzen in den Manglaren[A] wäre ein sicherer und furchtbarer Tod für ihn gewesen.