[Letztes Capitel.]
Im Pailon.

Sie waren gerettet, immer aber noch arbeiteten die Ruderer wacker vorwärts, und das Boot glitt an dem dunklen Ufer rasch dahin. Jetzt hatten sie die Mündung des Mira erreicht, und in der Dunkelheit war es fast, als ob es das offene Meer sei. Don José hielt auch wirklich mit Rudern inne und frug, ob sie sich nicht jetzt links am Lande halten müßten.

»Wenn wir Fluth hätten, oder in einem Canoe säßen, ja, Señor,« sagte Baptiste, immer noch mit unterdrückter Stimme, obgleich schon lange mehr kein Laut der Verfolger zu ihnen gedrungen war. »Mit dem Boote hier dürfen wir aber getrost wagen um die Punta Manglares zu fahren, denn gegen den Mira hätten wir sonst ein tüchtiges und schweres Stück anzurudern. Vorwärts, Señorita! Gerade hindurch, bis wir den Wald wieder erreichen, den Sie dort wie einen dunklen Streifen vor sich sehen. Nur ein kleines Stück dann noch weiter, und wir kommen in die offene See.«

»Und kennen Sie den Weg?«

»Wie meine Tasche.« —

Wieder ruderten sie schweigend weiter, denn unter dem Schatten der Manglaren wollte sie Alle noch nicht das unruhige Gefühl verlassen, als ob an jeder Ecke ein anderes Boot der Verfolger auftauchen, und ihnen den Weg zur Rettung abschneiden könnte. Aber sie hatten Nichts mehr zu fürchten, und kaum eine halbe Stunde später trug sie die rasch abströmende Ebbe zwischen einer mit Manglaren bewachsenen langen Insel und der dort vorspringenden Landzunge hindurch, und wenige Minuten noch und ihr Boot schaukelte auf den langen getragenen Wogen des stillen Oceans.

Glücklicher Weise trafen sie hier nicht mehr den scharfen Süder, den Baptiste gefürchtet, und der sie gezwungen hätte die Fluth abzuwarten und wieder zurück in den letzten Mira-Arm einzulaufen, um von dort aus den Canal zu suchen. Der Wind hatte sich vollständig gelegt, und nur die See wogte noch und hob sich und sank mit dem darüber hingleitenden Boot.

Zur Linken öffnete sich ihnen ein wunderbarer Anblick, so daß Aller Blicke unwillkürlich dorthin flogen, denn dort schäumte bei fast niedrigstem Wasserstand die Brandung über und gegen die freigelegten Sandbänke an, und warf ihre phosphorglühenden Wogen, deren weiße Kämme wie flüssiges Gold schimmerten und leuchteten, donnernd gegen den Strand. — Und immer und immer erneute sich das Bild! sowie die eine Sturzsee in tausend blitzende Funken zerfloß, bildete sich weiter zu ihnen eine neue, die mehr und mehr anschwoll und von glitzernden Gluthenstreifen durchzogen zu sein schien, bis sie sich hob und brach und dann einen wahren Feuerregen umhersprühte.