Der Santiago sowohl, wie der Bogota fließen aber auch durch ein reiches, unendlich fruchtbares Land, und breite ausgedehnte Baumwollen- und Zuckerrohrfelder mit weiten Cacao- und Bananenanpflanzungen (sogenannten Platanaren) geben Zeugniß, welch' reichen Ertrags der Boden dort fähig ist, und wie er die geringste Arbeit tausendfältig lohnt. Sie sind auch ziemlich dicht besiedelt, wenn auch nicht von den Ureinwohnern des Landes, die sich in den feuchten und heißen Niederungen dieser Gegend nicht so wohl zu fühlen scheinen, als weiter oben in den kühleren Bergen und an den rasch quellenden Gebirgswässern. Möglich aber auch, daß sie von den Negern, mit denen sie überhaupt nicht gern Gemeinschaft halten, zurückgedrängt wurden.
Als nämlich mit der Abschüttelung des spanischen Joches die Leibeigenen der spanischen Provinzen freigegeben und für ewige Zeiten frei erklärt wurden, da zerstreuten sie sich — besonders in Ecuador und Neu-Granada — vorzugsweise über dies Terrain und wurden Herren des dortigen Bodens, dessen Sclaven sie bis jetzt gewesen waren. Ueberall am Santiago und Bogota legten sie Estancien an, rodeten den Wald aus, und pflanzten Bananen, Cacao, Kaffee und Zuckerrohr, und wenn sie jetzt auch nach ihrer Bequemlichkeit arbeiteten, und nicht mehr vom Tagesanbruch bis in die späte Nacht Hacke und Schaufel führen mußten, so dankte ihnen der Boden doch mit verschwenderischer Hand für die geringe Mühe, die sie auf seine Pflege verwandten, und wo sie nicht eben reich wurden, hatten sie doch vollauf zu leben.
Welche Bedürfnisse kannten sie denn auch, die sie nicht hier mit Leichtigkeit beschaffen mochten. Ihre Wohnungen waren um weniges besser, als die, in denen sie früher von ihren Herren einquartirt worden, ihre Kleidung — eine baumwollene Hose und ein eben solches Hemd mit einem selbst geflochtenen Strohhut blieb dieselbe, und was sie an Nahrung brauchten und wünschten, lieferte das Land.
So bildeten sie bald, in diesen Distrikten wenigstens, die große Majorität des Staates und es gab Dörfer, wo sie sich sogar ihren Alkalden aus eigener schwarzer Mitte wählten.
Nur die Stellen der Gobernadores und Friedensrichter besetzte die Regierung mit den Hijos del pais — das heißt nicht etwa den eigentlichen »Söhnen des Landes,« den Indianern, sondern mit den Abkömmlingen der spanischen Raçe, die auch solche Plätze viel besser zu verwerthen und auszubeuten verstanden.
Ecuador war allerdings eine Republik, aber es wäre deshalb der obersten Staatsbehörde doch nicht im Traum eingefallen, dem Volk in seinen eigenen Richtern eine Majorität zu gestatten.
Auch Concepcion war zu einem sehr großen Theil von Negern bewohnt. Nichts destoweniger blieben aber in dieser größeren Stadt die Weißen in der Majorität, wo sie schon durch ihre Farbe den Stand der Honoratioren vertraten. Ueberhaupt hat der Neger nur in sehr seltenen Fällen — so geschickt er oft in mechanischen Arbeiten sein mag — Talent zum Handel. Es fehlt ihm der Speculationsgeist, und die verschiedenen Läden befanden sich deshalb sämmtlich in der Hand von Weißen. Eben so waren — wie sich das von selbst versteht — der Geistliche, der Alkalde und der Schullehrer Abkömmlinge der spanischen Raçe, und selbst ein italienischer Schneider hatte sich dort etablirt; und sich — wie das gewöhnlich diese Art von Professionisten thun — zu einer der ersten politischen Größen und zu einer entschiedenen Opposition der bestehenden Regierung aufgeschwungen.
Señor Rigoli, wie der kleine, sehr lebendige Mann hieß, hing nämlich mit Leib und Seele an der Quitenischen Regierung, während der Alkalde und Geistliche besonders — Beide von dem gegenwärtigen Usurpator des Südens, dem Mulattengeneral Franco eingesetzt — für diesen nach allen Kräften zu wirken suchten.
Rigolis Feinde behaupteten allerdings, nur der Geist des Widerspruchs hätte den kleinen Italiener in diese politische Richtung geworfen, denn ohne Widerspruch konnte er nicht existiren: aber er leugnete dies vollkommen, und würde dadurch jedenfalls seine beste Kundschaft in den Honoratioren der Stadt verloren haben, wenn sie eben nicht gezwungen gewesen wären, bei ihm arbeiten zu lassen. Er hatte nämlich keinen Concurrenten im Ort, als einen Neger, der Alles verdarb, was er unter die Scheere bekam, aber dafür auch zu den leidenschaftlichsten Anhängern Francos gehörte und alle Augenblicke neue Gerüchte über die gewonnenen Siege des Mulattengenerals verbreitete.