Auch diesmal hatte sich ein Theil Neugieriger eingefunden, als Renard seine neuen Waaren öffentlich — wie er es stets that — auspackte, und allerdings wäre es nicht leicht gewesen, etwas Derartiges in diesen offenen Häusern heimlich zu thun. Renard kam freilich selbst in Verlegenheit, als er diese erste und einzige Crinoline aus ihrem Versteck hervorzog und entfaltete, denn wenn ihm auch der Verkäufer in Panama angezeigt hatte, daß er ihm in Kiste so und so, einen aus Paris erhaltenen Artikel neuer Damenmoden mitschicke, so war der Franzose, der früher Kellner, dann Matrose auf einem Walfischfänger gewesen und später in Chile desertirt war, doch keineswegs in die Toilettengeheimnisse der Damen soweit eingeweiht, um selbständig gleich an Ort und Stelle beurtheilen zu können, wie dieser höchst durchsichtige Gegenstand zu einer Damengarderobe verwandt werden könne. Den Nutzen begriff er nicht, und als Zierrath oder Schmuck schienen ihm die Drahtreifen nicht elegant genug, um gerade aus Paris zu kommen.

»Que es esta?« (Was ist das?) riefen die Damen wie aus einem Munde, als er das wunderliche Ding entpuppte. — »'donde viene, (wo kommt es her?) Señor?«

»No se,« (Ich weiß nicht) sagte Monsieur Renard achselzuckend, indem er den fraglichen Gegenstand selbst mißtrauisch betrachtete, »alguna cosa por las Señoritas« (Etwas für die Damen).

»Por las Señoritas? Impossible! Que barbaridad!« stöhnte eine dicke Negerin entrüstet, als ihr vielleicht einfiel, wie sie in einem solchen Kleidungsstück aussehen würde.

Das wunderbare Fabrikat ging nun von Hand zu Hand; während aber die jungen Mädchen errötheten und unter einander kicherten, die älteren Damen mißbilligend den Kopf schüttelten, sammelten sich immer mehr Leute vor dem Hause des Herrn Renard, und mit wenigen Ausnahmen fehlte, kaum eine Viertelstunde später, keine von Evas Töchtern — hoch oder gering — um den neuen Putz in Augenschein zu nehmen.

Aber zu einem Resultat kamen sie nicht. Selbst das Wort Crinolina blieb ihnen ein Räthsel, denn Niemand wußte, was es bedeuten solle, obgleich es spanisch klang. Es waren nämlich weder Pferdehaare, noch Leinwand daran, was es allenfalls hätte bedeuten können, sondern nur Baumwolle und Eisendraht.

Endlich machte Señora Ramos' Schwarze, die bei der Versammlung nicht fehlen durfte, den Vorschlag, ihre Herrin zu fragen. Diese hatte sich in Bogota — wenn sie auch hier außerordentlich einfach ging, stets nach der neuesten Mode gekleidet, und ihr Herr bekam immer Zeitungen, in denen lauter Neues stand. Vielleicht wußten die es.

Das war ein Vorschlag zur Güte, und Renard's Frau — eine Eingeborene — wurde augenblicklich abgesandt, um eine Aufklärung, wenn irgend möglich, zu erbitten, indessen die Damen in äußerster Spannung auf dem Posten blieben. Sie mußten doch erfahren, wie dieses neue Kleidungsstück getragen würde.

Nach einer Viertelstunde endlich — und wie lang ihnen diese wurde! — kehrte sie zurück und das Räthsel war gelöst. Dies Drahtgeflecht stellte nur einen Unterrock vor — die anderen Kleider wurden darüber gezogen, um recht hübsch und weit auszublähen. — Das war das ganze Geheimniß, aber die Lösung befriedigte die Damen noch nicht, denn nun wollten sie auch einmal sehen, wie das wunderliche Ding getragen würde, und ob es praktisch wäre — das heißt, ob es vornehm aussähe.